Warum wir die Ukraine gerade jetzt unterstützen müssen

Veröffentlicht am 14. Oktober 2022
Zuletzt aktualisiert am: 5. Juni 2024

Der Krieg in der Ukraine geht in eine entscheidende Phase. Wie geht es den Menschen dort? Und wie fühlen sich Männer in Russland, die bald in den Krieg geschickt werden könnten? Unser Redakteur Philipp Demling hat Slavistik studiert, war mehrfach in Russland und der Ukraine und hat mit Freunden in beiden Ländern gesprochen. Er versucht, das Geschehen einzuordnen – und gibt eine persönliche Einschätzung ab, wie wir uns jetzt verhalten sollten.

Mit meinem Freund Arsenij aus Moskau hatte ich schon einige Jahre keinen Kontakt mehr gehabt. Der Anstoß, ihm endlich wieder zu schreiben, waren dramatische Bilder aus Russland: Hunderttausende Männer versuchten, in Nachbarländer wie Georgien, Kasachstan, Finnland oder die Mongolei auszureisen, um der Mobilisierung zu entkommen, die Präsident Wladimir Putin angeordnet hatte.

Mobilisierung oder Mobilmachung bedeutet, dass die Streitkräfte bereit für den Krieg gemacht werden. Reservisten, also derzeit nicht aktive Soldaten, werden einberufen und auf ihren Einsatz vorbereitet. Offiziell sprach Präsident Putin von einer „Teilmobilmachung“: 300.000 Mann sollten zusätzlich an die Front geschickt werden, um das Blatt im Angriffskrieg gegen die Ukraine zu Russlands Gunsten zu wenden. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass auch militärisch unerfahrene Männer einberufen wurden.

Bald darauf tauchten im Internet Videos frisch einberufener Russen auf, denen durchgerostete Kalaschnikows in die Hand gedrückt wurden. Medienberichten zufolge werden auch Männer in fortgeschrittenem Alter und ohne jede Ausbildung an die Front geschickt. Schlechte Ausrüstung und fehlendes Training erhöhen das Risiko, an der Front zu sterben, massiv.

Schnell wurde klar: Wer nicht in Russlands Krieg in der Ukraine mitkämpfen will, verlässt am besten das Land. Laut

Direkt weiterlesen?
Erstelle Dir jetzt Deinen Zugang!

Hinter Relevanzreporter steht kein Medienkonzern oder Investor. Das gemeinnützige Magazin wird von, für und mit seinen Mitgliedern ermöglicht.

Wir sind unabhängig und werbefrei.

  • Philipp Demling
    Autor:in Redakteur für Gesellschaft und Mobilität, Podcaster

Empfohlene Artikel aus dem Schwerpunkt:
Blick nach draußen

  • 1
    Am 9. April 2003 wurde die mächtige Statue von Machthaber Saddam Hussein in Bagdad gestürzt. Doch mit dem militärischen Sieg war der Kampf längst nicht gewonnen. Im Gegenteil. Foto: Unknown U.S. military or Department of Defense employee

    Diese Aufrüstung ist ein Irrweg

    Es ist passiert. Die Nato-Staaten haben sich Donald Trump unterworfen. Die Allianz ist vorerst gerettet. Trotzdem, diese unfassbare Aufblähung der Militäretats ist ein Irrweg. Gewiss, Russlands brutaler Krieg gegen die Ukraine erfordert eine Reaktion, auch militärisch. Doch ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt unzweideutig: Die Versuche, solche Konflikte militärisch zu lösen, haben alles nur noch schlimmer gemacht. Zeit für…

    4. Juli 2025
  • 2
    Unmittelbar nach der Inauguration unterschrieb Donald Trump die ersten Dekrete. Foto: Office of Vice President JD Vance

    Trump hat zwei Jahre Zeit

    Eigentlich sträubt sich die Tastatur, schon wieder etwas zu schreiben über Donald Trump. Doch natürlich kommt man am 45. und jetzt auch 47. Präsidenten der USA nicht vorbei. In die Weltuntergangsstimmung, die nun große Teile der unserer Öffentlichkeit erfasst zu haben scheint, muss man allerdings nicht einstimmen. Wie die Zukunft aussieht, werden nicht nur eine Handvoll Hypermilliardäre entscheiden – falls…

    1. Februar 2025
  • 3
    Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt am 23. August 2024 in der Desert Diamond Arena in Glendale, Arizona. Foto: Gage Skidmore

    Es wird eine Zeit nach Trump geben

    Nicht nur in den USA sind viele Tränen geflossen, als der erneute Wahlsieg von Donald Trump feststand. Und doch gilt: Es wird eine Zeit nach dem 47. Präsidenten der USA geben. Auch wenn nur viele den Untergang der Welt befürchten, die wuchtigen Vorhersagen politischer Beobachter haben sich regelmäßig als falsch erwiesen. Deswegen bleibt es auch nach diesem Trump-Sieg richtig, nicht…

    9. November 2024

Die neuesten Artikel:

  • 1
    Marcus König hält Bierglas in die Luft, Gäste prosten ihm zu in der Bar Ludwigs, Event "Auf ein Seidla mit ..."

    Ein Finale mit klaren Worten – „Auf ein Seidla mit Marcus König“

    Auch beim letzten Abend der Reihe „Auf ein Seidla mit …“ Marcus König sind Meinungen, Ideen und Visionen aufeinandergetroffen. Wie sicher ist Nürnberg? Wo fehlt Wohnraum, wo Zusammenhalt? Ein lebendiges Gespräch zwischen Politik und Publikum hat echte Nähe zur Stadtpolitik geschaffen und hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, wenn Bürger:innen selbst das Mikrofon übernehmen. Verena Apreck hat den Abend…

    11. Februar 2026
  • 2
    RR-Event im Café Ludwigs, Gäste sitzen an Tischen und hören dem Gespräch zwischen Marc Schmidt von den RR und Nasser Ahmed zu.

    Direkt und ungefiltert: „Auf ein Seidla mit Nasser Ahmed“

    Früher Abend im Café Ludwigs: Zwei Männer sprechen bei einem Seidla über Politik und plötzlich geht es um alles, was Nürnberg bewegt. Wie sozial ist die Stadt? Wo hakt die Verkehrswende? Beim zweiten „Auf ein Seidla mit …“ wurde klar, wie lebendig Dialog sein kann, wenn Menschen miteinander reden statt übereinander. Wer an diesem Abend dabei war, hat ein Gespräch…

    9. Februar 2026
  • 3

    Nürnbergs Wahlkampf der Möglichkeiten – und der harten Grenzen

    Was ändert sich, wenn es bei der Kommunalwahl am 8. März zu einem Wechsel an der Stadtspitze kommt? Wie könnten Nasser Ahmed (SPD), Britta Walthelm (Bündnis 90/Die Grünen) oder andere erfolgreiche Kandidat:innen die Stadt gestalten? Diese und mehr Fragen bespricht Relevanzreporter-Redakteur Julian Hörndlein mit dem promovierten FAU-Politikwissenschaftler Thorsten Winkelmann in der neuen Folge des Podcasts Nürnberg morgen!

    6. Februar 2026

Schreibe einen Kommentar zu "Warum wir die Ukraine gerade jetzt unterstützen müssen"

Zum Kommentieren musst du angemeldet sein.