Max-Morlock-Stadion: Umbau, Abriss, Neubau?

Von: Lilien Wege geb. Zeljko

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Das Nürnberger Fußballstadion am Dutzenteich im Süden der Stadt ist in die Jahre gekommen. Es besteht Sanierungsbedarf. Doch rechnet sich eine Sanierung mit Umbau überhaupt noch? Wäre ein Abriss oder auch ein Verkauf nicht die bessere Wahl? Das Thema wird heiß diskutiert, unter Sportler:innen und Fans ebenso wie in der Kommunalpolitik. Nun sol eine Machbarkeitsstudie her. Unsere Redakteurin Lilien Wege erklärt, was es damit auf sich hat.

Das Nürnberger Fußballstadion am Dutzenteich im Süden der Stadt ist in die Jahre gekommen. Es besteht Sanierungsbedarf. Doch rechnet sich eine Sanierung mit Umbau überhaupt noch? Wäre ein Abriss oder auch ein Verkauf nicht die bessere Wahl? Das Thema wird heiß diskutiert, unter Sportlern und Fans ebenso wie in der Kommunalpolitik. Nun soll eine Machbarkeitsstudie her. Unsere Redakteurin Lilien Wege erklärt, was es damit auf sich hat.

“Max-Morlock-Stadion” soll das Nürnberger Stadion für immer heißen, fordern die Fans. Zur WM 2006 hieß es noch Frankenstadion. – Foto: Thomas Geiger

Die letzten Umbaumaßnahmen gab es zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Damals wurde unter anderem das VIP-Gebäude gebaut, der gesamte Stadion-Innenraum “tiefergelegt” (weshalb bei uns Treppen von den Tribünen rund 1-1,5 Meter nach unten aufs Spielfeld führen), neue Kioske und zusätzliche Toiletten etabliert. Aber der Großteil der achteckigen Tribünen stammt aus den Jahren 1988 bis 1990 und ist also über 30 Jahre alt. Die Haupttribüne, in deren Erdgeschoss auch Umkleidekabinen und Medien-Interview-Zone untergebracht sind, ist sogar noch älter: Mit Baujahr 1926 steht sie unter Denkmalschutz.

Fußball, Leichtathletik und Konzerte

Natürlich ist es für den Fußball-Bundesligaverein 1. FC Nürnberg wichtig, dass das Stadion vorrangig für die Kicker genutzt werden kann. Denn der Club ist der Hauptmieter des Stadions, aber es gibt eben auch andere Events hier – auch um die Kosten zu decken, die die Stadt Nürnberg als Eigentümerin zu schultern hat. So wird das Stadion nicht nur für den Bundesliga-Fußball genutzt, sondern auch für
große Freiluftkonzerte beispielsweise von Helene Fischer, Pink oder Udo Lindenberg. Und auch die Leichtathletik ist hier noch zu Gast: 2018 fand hier deren Deutsche Meisterschaft statt.

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Am liebsten würden also alle möglichen Gruppen bei der zukünftigen Planung mitreden wollen. Zum Beispiel wünscht sich der 1. FC Nürnberg hierbei mehr Mitspracherecht. Doch er kann wie alle anderen Akteure nur seine Wünsche äußern, wie ein Stadion aus seiner Sicht auszusehen hat. Denn auch die finanziellen Möglichkeiten des 1. FCN selbst erlauben nicht mehr. Sie sind nämlich auch an Erfolg und Misserfolg gekoppelt sind – und der Club spielt Stand Saison 2021/22 wieder nur in der 2. Bundesliga.

Menschen stehen im Innenraum des Nürnberger Stadions, zum Teil an Stehtischen. Abendempfang.
Abendveranstaltung im Innenraum des Max-Morlock-Stadions. – Archivfoto: Thomas Geiger

Notbremse statt Weitermachen

Doch wie kommt man als Stadt, deren Tochterunternehmen, die Stadion Betriebs GmbH das Stadion betreibt, vermarktet und instand hält, nun zu einer Lösung? Der Stadtrat selbst sieht laut dem sogenannten Sachverhalt der Stadt Nürnberg nur zwei Handlungsmöglichkeiten:

  1. Das Stadion zu erhalten, indem (weiterhin) fortlaufend saniert wird.
    So wurde 2019 eine Stahlbetontreppe abgerissen, da die Substanz nachgegeben hatte; 2020 wurde das Dach ausgetauscht… So sammeln sich Jahr für Jahr Summen wie 870.000 Euro für die Treppen in 2019, dann 2020 eine halbe Million Euro für das Dach und so weiter… Dazu kommen dann auch noch Investitionen, die das Stadion als Ganzes weiter entwickeln sollen – Barrierefreiheit, Digitalisierung… Der Sachverhaltsbericht fasst hierzu zusammen: Man müsse also abwiegen, ob solche Investitionen sinnvoll und gerechtfertigt seien, um als wesentliches Ergebnis ein Stadion im nutzungstauglichen, aber nicht mehr zeitgemäßen Zustand zu erhalten.

    Gleich dahinter steht in dem Dokument ein Kommentar, der vielleicht den einen oder die andere Sportbegeisterte doch nachdenken lässt: Denn die gescheiterte Bewerbung als Austragungsort für die Europameisterschaft 2024 habe gezeigt, dass das Max-Morlock-Stadion seinen Status als eines der attraktivsten deutschen Stadien eingebüßt habe.
  2. Umsetzung eines Stufen-Modells zur Einleitung einer Generalsanierung
    Unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes wird überlegt, wie die Stadt Nürnberg als Eigentümerin des Stadions eine Generalsanierung vorbereiten kann. Fest steht schon jetzt: Nürnberg kann das finanziell nicht alleine stemmen.

    Zweiteres hat der Nürnberger Stadtrat in seiner Sitzung am 26. Januar 2022 beschlossen. Die Stadtverwaltung soll eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Dieser geht eine Bedarfsanalyse voraus, die auslotet, was überhaupt benötigt wird. Im zweiten Schritt wird dann errechnet, wie dies im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten ermöglicht werden kann.

Umfeld einbeziehen?

Verschiedene Szenarien werden dabei untersucht – vom Abriss und Neubau, über Umbau/ Sanierung bis hin zum Verkauf des Stadions. Und: Es wird nicht nur überlegt, ob, sondern auch welches Stadion gebraucht wird – eines für Sport und/oder Events und ob es betriebswirtschaftlich Sinn macht, das Stadionumfeld einzubeziehen. Schließlich befindet sich in der unmittelbaren Nachbarschaft nicht nur die Arena Nürnberger Versicherung, sondern auch das Stadionbad, die Messe, das ehemalige Reichsparteigsgelände samt Dokuzentrum und so weiter…

Die ersten Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen in etwa einem Jahr vorliegen. Dann gehe der Entscheidungsprozess weiter, zitierte der Bayerische Rundfunk den Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel (SPD), der per Amt für das Stadion zuständig ist.

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Artikel vom: 4. Februar 2022

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