Was passiert, wenn Bürgerinnen und Bürger plötzlich Antworten bekommen, die sonst im politischen Alltag untergehen? Wenn Fragen nach Wohnen, Mieten, Bildung, Fachkräftemangel, Stadtumbau oder Klimawandel nicht in Wahlkampfphrasen verpuffen, sondern direkt und ohne Umwege auf dem Tisch landen? Genau das wurde bei unserem ersten „Auf ein Seidla mit …“ deutlich. Wer nicht dabei war, hat einen Abend verpasst, der gezeigt hat, wie viel Potenzial in echten Gesprächen steckt.
Ein Abend, der anders war als die üblichen Podien
Schon nach wenigen Minuten war klar: Dieser Abend würde nicht in der üblichen politischen Routine enden. Keine abgehakten Statements, kaum Floskeln, kein Podium, das zwischen Publikum und Politik steht. Stattdessen echte Gespräche, nahbar, spontan, manchmal überraschend ehrlich und immer mit einem Getränk in der Hand.
Superblock, Frankenschnellweg und Wohnungsnot
Superblock – „von der Stadt nicht so gut geplant“
Viele Themen wurden an diesem Abend angesprochen (Wohnen, Mieten, Bildung, Fachkräftemangel, Stadtumbau oder Klimawandel), vor allem diese drei Punkte aber, sorgten dann doch für besondere Aufmerksamkeit: Die Bürgerbeteiligung ist beispielsweise ein wichtiges Element im Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen. Doch gerade hier sticht ein Projekt hervor, dass für nicht alle Anwohner:innen in Gostenhof Begeisterungsstürme hervorruft: Der Superblock, eine autofreie Zone in einem dicht gebauten Wohngebiet. Hier wurden im Sommer 2025 die Straßen von Autos freigeräumt und mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet, damit Jung und Alt draußen vor den Wohnungen ihren Alltag verbringen können, konzipiert nach einem Vorbild aus Barcelona. Doch scheinbar wurden nicht alle Menschen vor Ort ins Boot geholt; viele beschweren sich über fehlende Parkplätze, die Händler:innen berichten über Schwierigkeiten bei der Anlieferung. Kurz: Der Superblock droht, als Planungskatastrophe unterzugehen. Wie soll dann so ein Projekt der Bürgerbeteiligung fortgeführt werden. Britta Walthelm dazu: „Das war von der Stadt auch nicht gut gemacht. Was ich mir dann vorstelle bei so einem Projekt, ist, dass man dann eine Planungswerkstatt macht und die verschiedenen Anwohner, Stakeholder, Vereine einlädt … und dass man sich am Anfang zusammensetzt und gemeinsam baut“. Nur besteht dann immer die Gefahr, die gleiche „Bubble“ anzusprechen. Hierfür stellt sich Frau Walthelm folgende Lösung vor: Geloste Gremien, wie beim Klimaschutzkonzept der Stadt, arbeiten als repräsentative Gruppe der Stadtbevölkerung bei größeren Konzepten mit dem Stadtrat zusammen.

Frankenschnellweg – geplanter Tunnel würde Millionen binden statt Investitionen ermöglichen
Beim Ausbau des Frankenschnellwegs scheiden sich die Geister: Die Stadtautobahn soll nach den Vorstellungen der Grünen jedenfalls auf 50 Km/h eingebremst werden, nicht weiter verbreitert und erst recht nicht mit einem Tunnel ausgestattet werden, wo der Verkehr unterirdisch durch das Herz der Stadt geleitet wird. Allein dieser Tunnelbau kostet Millionen. Die Grünen-Fraktion hatte in den letzten Monaten einen Gegenvorschlag eingereicht. Britta Walthelm sagte dazu am Abend, dass die Stadtverwaltung diesen Vorschlag als realistisch erachte und dieser rund 80 Prozent weniger kosten würde und wahrscheinlich die Hälfte der Bauzeit brauche. Der Plan der Grünen ist, dass man möglichst viele Stimme bei der Kommunalwahl gewinne, denn so könnte der Beschluss durch eine Stadtratsmehrheit noch geändert werden. „Ich bin auch nicht überzeugt davon, dass wir jetzt eine neue Planfeststellung, brauchen. Es geht sogar mit einer Änderung. Das müsste die Verwaltung aber noch juristisch überprüfen.“ Und vor allem auf einen Aspekt macht die Politikerin aufmerksam: die hohen Kosten für den Unterhalt des geplanten Tunnels [Anmerkung der Redaktion: circa 1,5 Millionen jährlich]. Dieses Geld könne man dann nicht in den ÖPNV, in Radwege oder andere Dinge investieren.
Wohnen – nicht nur bauen, sondern Leerstände umnutzen

„Wenn man so durch Nürnberg läuft, dann gibt es Leerstände sowohl im Wohnungsbereich als auch im Gewerbebereich … und diese Maxime ‚bauen, bauen, bauen‘, ist nicht klug gedacht. Wir sollten das, was wir schon haben, auch besser nutzen.“, so Britta Walthelm zum Thema Wohnungsnot. Dafür bringt sie mögliche Gegenmaßnahmen ins Spiel: Zweckentfremdung von Wohnungen verhindern, dass sie nicht lange leer stehen („dafür müsste ich mit Herrn Söder verhandeln“) und die Zweckentfremdungssatzung einsetzen, beispielsweise bei Airbnb-Wohnungen in der Stadt. Außerdem soll der Leerstand bei Gewerbeflächen umgenutzt werden. Doch dieser Umbau ist gar nicht so leicht durchzuführen, entgegnete unsere Moderatorin Lea Maria Kiehlmeier. Dafür hat Frau Walthelm einen Plan und möchte, dass die Stadt aktiv werden soll und entsprechende Investoren und Experten gewinne. Sie nannte aktuelle Beispiele wie der Umbau des Quelle-Areals in Eberhardshof (gemischtes Quartier mit Wohnungen, Büros, Einzelhandel und Bürgeramt) und auch die Umnutzung des ehemaligen Siemens-Hauptgebäudes in Röthenbach (Schule), die erfolgreich umgesetzt seien.
Alle weiteren Fragen und Antworten des Abends „Auf ein Seidla mit Britta Walthelm“ kannst Du auch nochmal hören. Wir haben dazu eine Podcast-Folge produziert.
Auf direkte Fragen folgen tiefe Gespräche
Ina aus Galgenhof brachte es nach dem 90-minütigem Talk auf den Punkt: „Toll, dass wir hier die Möglichkeit hatten, mit der Politikerin direkt zu sprechen und Fragen zu stellen. Dadurch waren die Gespräche tiefer. Sonst trifft man die Politiker:innen immer nur auf Podiumsdiskussionen. Da werden die Themen nur schnell von jedem Podiumsgast abgehakt.“
Auch Silke aus der Altstadt nickte begeistert. Für sie war entscheidend, dass ihre Fragen nicht nur gehört, sondern ernst genommen wurden.
Britta Walthelm blieb – auch nachdem das Mikro aus war
Unser erster Gast, Britta Walthelm, Oberbürgermeister-Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, blieb einfach sitzen, auch nach 90 Minuten intensiver „Frage & Antwort“-Runde. Kein Blick auf die Uhr, kein hastiges Aufbrechen. Stattdessen: ein Seidla, offene Ohren und Gespräche mit uns und den Gästen des Events, die sich in den Abend zogen. Die Bar Ludwigs verwandelte sich in einen Ort, an dem Politik nicht erklärt, sondern erlebt wurde.
Und jetzt? Die nächsten Chancen, selbst mitzuwirken
Wer diesen Auftakt verpasst hat, bekommt gleich zwei neue Gelegenheiten – und diesmal solltest Du wirklich dabei sein. Hier kannst Du Dich anmelden:
- 5. Februar: „Auf ein Seidla mit … Nasser Ahmed“ (SPD)
- 9. Februar: „Auf ein Seidla mit … Oberbürgermeister Marcus König“ (CSU)
Beide werden sich Deinen Fragen stellen. Direkt. Ungefiltert. Ohne Podium dazwischen.
Warum Du das nächste Mal kommen solltest
Weil Nürnberg gerade an vielen Stellen neu gedacht wird. Weil Entscheidungen anstehen, die Deinen Alltag betreffen. Und weil es selten so einfach ist, Spitzenkandidatinnen und -kandidaten auf Augenhöhe zu begegnen vor der Kommunalwahl 2026, die am 8. März stattfinden wird.
„Auf ein Seidla mit …“ zeigt, Politik kann nah sein. Und Du kannst Teil davon sein.
Hier kannst Du den Abend noch einmal nachhören, in unserer Podcast-Folge „Auf ein Seidla mit Britta Walthelm“:



















