Auch beim letzten Abend der Reihe „Auf ein Seidla mit …“ Marcus König sind Meinungen, Ideen und Visionen aufeinandergetroffen. Wie sicher ist Nürnberg? Wo fehlt Wohnraum, wo Zusammenhalt? Ein lebendiges Gespräch zwischen Politik und Publikum hat echte Nähe zur Stadtpolitik geschaffen und hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, wenn Bürger:innen selbst das Mikrofon übernehmen. Verena Apreck hat den Abend für Dich zusammengefasst.
Im gemütlichen Kneipenflair deckte die Diskussion am 09. Februar 2026 ein weites Feld ab – vom Frankenschnellweg über digitale Souveränität und Klimaschutz bis zur Integration. Im Fokus des Gesprächs mit Oberbürgermeister Marcus König (CSU, seit 2020) standen die geplante Landesgartenschau 2030, Wohnungsnot sowie Fragen rund um Sicherheit und Ordnung.
Landesgartenschau 2030: eine Chance für mehr Klimaresilienz?

Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch den Abend zog, war die für 2030 geplante Landesgartenschau. Sollte man angesichts der Kritik die Veranstaltung nicht einfach absagen? Und könnte man die Gelder sinnvoller investieren? Der Oberbürgermeister machte klar: „Die Planungen sind angelaufen, ein Berliner Planungsbüro wurde bereits beauftragt.“ Ein Abbruch würde der Stadt fünf bis acht Millionen Euro kosten. Geld, das ohne bleibenden Nutzen verpuffen würde, so Marcus König. Stattdessen erklärte er die Chancen des Events: Es bringe nicht nur temporäres Grün, sondern schaffe dauerhafte Grünflächen im Burggraben, in der Innenstadt und auf größeren Flächen in der Südstadt. Dieses Grün verbessere das Stadtklima und diene kommenden Generationen. Demnach investiere man die 60 Millionen Euro vor allem in das Klima. Denn eins sei klar, so der Oberbürgermeister: „2031 herrscht in Nürnberg ein Klima wie in Lyon. Unsere Wälder sind aber nicht darauf ausgelegt.“ Sein Vorschlag: Umbau des Lorenzer- und Sebalder Reichswaldes und Entsiegelungen städtischer Flächen wie zum Beispiel am Egidienplatz in der Sebalder Altstadt. Ergebnis: wasserdurchlässige Böden, weniger Hitzeinseln und mehr Schatten. Der Weg zur grüneren Stadt sei aber ein schmaler Grat. Herausfordernd bliebe, so Marcus König, das mittelalterliche Flair der Altstadt zu bewahren sowie die angespannte Parkplatzsituation. „Wenn Raum neu verteilt wird“, werde Parken teurer, sei es in Quartiersparkhäusern oder mit kostenpflichtigen Bewohnerausweisen in der Innenstadt. Mehr Bäume und weniger Beton sollten Vorrang vor kostenlosen Stellplätzen bekommen, so der Oberbürgermeister.
„Wohnrecht als Menschenrecht“ – mehr bauen, gezielt fördern

Nicht nur an diesem Abend, sondern auch im gesamten Wahlkampf spielte die Frage nach bezahlbarem Wohnraum eine zentrale Rolle. Was versteht Marcus König unter „bezahlbar“ und wie will die Stadt die 7000 Haushalte unterstützen, die derzeit keine angemessene Wohnung finden? Dazu der Oberbürgermeister: „Wohnrecht ist ein Menschenrecht.“ Dabei helfe mehr Neubau und die Sanierung bestehender Gebäude. Die WBG Nürnberg solle gestärkt und private Investoren durch steuerliche Abschreibungen auf Baukosten angelockt werden. Auch die einkommensorientierte Förderung (EOF) müsse weiter ausgebaut werden, so der Politiker. Neue Projekte für geförderten Wohnraum seien bereits für die Gebiete Wetzendorf-Thon und „Tiefes Feld“ geplant. Einen ersten Erfolg verzeichnete die Stadt bereits: Im Stadtteil Lichtenreuth wurden 500 geförderte Wohnungen geschaffen, so Marcus König. Auch eine stärkere Regulation der Airbnb-Vermietungen sei notwendig. Zwar konnten in 2025 dank des Zweckentfremdungssatzes 250 Wohnungen dem regulären Mietmarkt zugeführt werden, dies sei aber längst nicht genug, erklärte der CSU-Politiker.
Sicherheit, Ordnung und „die Möglichkeit zu kontrollieren“
Auch in Sachen Sicherheit und Ordnung gab es Klärungsbedarf. Warum halte die CSU die Waffenverbotszonen rund um den Nürnberger Hauptbahnhof für sinnvoll? „Wenn man in der Stadt sicher sein will, muss kontrolliert werden“, so Marcus König. Besonders im Bereich des Hauptbahnhofs, dem täglichen Ziel von rund 600.000 Pendlern, gelte die Alkohol- und Waffenverbotszone. Letztere wurde im April 2025 vom Stadtrat beschlossen. „Die Polizei hat diese Zonen empfohlen“, erklärte Marcus König. Ziel sollte „eine sichere und saubere Stadt“ sein, „dafür braucht es diese Maßnahmen“, so der CSU-Politiker. Warum zusätzlich zu den Kontrollen auch noch Videoüberwachungen nötig seien? Hier verwies er auf das Pilotprojekt, das seit rund einem Jahr am Nelson-Mandela-Platz und im Bereich der Glascontainer läuft. Denn neben der Kriminalität spiele auch Müllverschmutzung in der Stadt eine große Rolle. Jährlich sammeln Stadtreinigungsmitarbeiter:innen über 7.000 Tonnen „wilden“ Müll ein, trotz Aufklärung und Kampagnen. Erste Verbesserungen seien zwar durch die Überwachungen spürbar, aber die Notwendigkeit von „mehr Kontrollen und höheren Strafen“ bestehe. Ergänzend appellierte er: „Alle 550.000 Einwohner Nürnbergs sind für die Stadt verantwortlich!“ Jeder könne außerdem selbst aktiv werden. Wie? Zum Beispiel in Form einer Schadensmeldung über den Mängelmelder der Stadt.
Alle weiteren Fragen und Antworten des Abends „Auf ein Seidla mit Marcus König“ kannst Du auch nochmal hören. Wir haben dazu eine Podcast-Folge produziert.
Ein Abend, der Eindruck hinterlässt
Andreas G. war an allen drei Abenden der Gesprächsreihe dabei und sein Fazit bleibt hängen: „Anders als in manchem Bürgerdialog wird man hier nicht einfach abgewürgt. Es entsteht ein echter Austausch zwischen Politik und Bürgern.“ Auch Tobias, der an diesem Montag eigentlich „nur ausgehen“ wollte, zog ein positives Resümee: „Ein tolles Format, bei dem Demokratie lebendig wird.“
Marcus König – Miteinander im Gespräch
Zum Abschluss der Reihe „Auf ein Seidla mit …“ war Marcus König, CSU-Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, zu Gast. Er stand Rede und Antwort, suchte nach dem offiziellen Teil den direkten Austausch an den Tischen, an der Theke und war schnell mitten im Geschehen. Nah an den Menschen und direkt in der Altstadt zeigte sich Politik dort, wo sie alle betrifft.
Und jetzt? Die nächste Chance, selbst mitzuwirken
Zwar war das der letzte Abend der „Auf ein Seidla …“-Veranstaltungsreihe, doch nach dem Event ist bekanntlich vor dem nächsten Event. In unserer nächsten Veranstaltung dreht sich alles um die Zukunft der Demokratie in Krisenzeiten.
Hier kannst Du Dich anmelden:
- 4. März: „Mitreden: Ist Demokratie ein Auslaufmodell?“
Komm mit unserem Außenpolitik-Experten Georg Escher ins Gespräch: In offener Runde kannst Du Deine Fragen stellen, Zweifel ansprechen und erfahren, wie jede:r Einzelne dazu beitragen kann, Demokratie lebendig zu halten.


















