Früher Abend im Café Ludwigs: Zwei Männer sprechen bei einem Seidla über
Politik und plötzlich geht es um alles, was Nürnberg bewegt. Wie sozial ist die
Stadt? Wo hakt die Verkehrswende? Beim zweiten „Auf ein Seidla mit …“ wurde
klar, wie lebendig Dialog sein kann, wenn Menschen miteinander reden statt
übereinander. Wer an diesem Abend dabei war, hat ein Gespräch auf Augenhöhe
erlebt, bei dem sogar das Kneipenpersonal mitmischte. Für dich zusammengefasst von Verena Apreck.
Ein Abend (05. Februar 2026), drei zentrale Themen und ein Leitgedanke: „Nürnberg muss für alle funktionieren.“ Mit diesen Worten brachte Nasser Ahmed, Vorsitzender der SPD Nürnberg und Oberbürgermeisterkandidat für die Kommunalwahl 2026, seine Vorstellung einer zukunftsorientierten Stadtpolitik auf den Punkt. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die sozial gerechte Stadtentwicklung, die Verkehrswende und das Ziel, ein wirklich „funktionierendes“ Nürnberg für alle Bürger:innen zu schaffen.
Sozial gerechte Stadtentwicklung für alle

Schon nach wenigen Minuten wurde klar: Für Nasser Ahmed muss Nürnberg vor allem sozial gedacht werden. So will er statt der für 2030 vorgesehenen Landesgartenschau, die mit rund 24 Millionen Euro veranschlagt ist, das Geld lieber direkt in die Aufwertung der Innenstadt investieren. Geplant ist eine attraktive Flaniermeile vom Hauptbahnhof bis zum Hauptmarkt mit mehr Grün, neuen Sitzgelegenheiten und einem kleinen Wasserlauf. Menschen sollten sich dort gerne aufhalten und verweilen, so der Politiker. Der „Erlebnisraum Innenstadt“ mache die Stadt langfristig lebendiger als jedes Großevent. Auch bezahlbaren Wohnraum sieht er als zentrales Element sozialer Stadtentwicklung. Denn rund 7.000 Haushalte in Nürnberg könnten sich derzeit keine angemessene Wohnung leisten, so Nasser Ahmed. Sein Plan: Rund 450 Millionen Euro sollen in den Wohnungsbau fließen, vorrangig in Projekte der städtischen WBG und von Baugenossenschaften. Auch „Mietpreise unter zehn Euro pro Quadratmeter“ sollten langfristig das Ziel sein. Zudem soll Geld aus Sondervermögen den Ankauf von Flächen für den sozialen Wohnungsbau ermöglichen, Bauverfahren sollen beschleunigt werden. Und wie diese Pläne möglich sein sollen, obwohl Nürnberg mit rund zwei Milliarden Euro Kernverschuldung belastet ist, fragte Moderator Marc Schmidt. Für Nasser Ahmed ist klar: „Das ist kein Skandal. Wir haben in die Zukunft investiert.“ Sein Ziel: Prioritäten neu ordnen, „clever sparen“ und auf Prestigeprojekte wie die Magnetschwebebahn verzichten.
Mobilität und Verkehrswende: „Mehr Platz für
Menschen“

Nasser Ahmed. Foto: Thomas Geiger
Während des Austauschs mit den Gästen zeigte sich: Auch beim Thema Verkehr forderte Nasser
Ahmed ein Umdenken. Superblocks, Quartiersparkhäuser und sichere Radwege sollen Nürnberg zu einer „menschengerechten Stadt“ machen. Dass dies ein schwieriger Prozess werde, zeige schon die Tatsache, dass in manchen Familien auf vier Mitglieder drei Autos kommen. Ein klarer Hinweis auf einen „Mobilitätsüberschuss“, wie der SPD-Spitzenkandidat es nannte. Statt immer neuen Parkraum zu schaffen, brauche die Stadt den Mut, Radverkehr und ÖPNV gezielt auszubauen. Dass Konzepte wie der Superblock in Gostenhof zu Reibungen führten, etwa bei Park- und Lieferzonen, weiß er. Dennoch stehe er zu
dem Projekt, das die SPD selbst mit angeschoben hat. Auch der Ausbau des Altstadtrings müsse
weiter vorangetrieben werden, so Nasser Ahmed. Bis 2026 sollte dieser zu einer durchgängigen Radvorrangroute mit mindestens 2,5 Metern Breite je Richtung ausgebaut werden.
Doch wie lassen sich all diese Investitionen mit dem geplanten Tunnel am
Frankenschnellweg vereinbaren, der rund eine Milliarde Euro kosten soll? Nasser
Ahmed fand darauf klare Worte: „Ich unterstütze keinen weiteren Ausbau des
Frankenschnellwegs, der andere Investitionen blockiert.“ Mehr als 200 Millionen Euro dürfe der Ausbau nicht kosten, sonst bliebe in der Stadt zu wenig Spielraum für wichtige Zukunftsaufgaben, für sozialen Zusammenhalt, Bildung und die Verkehrswende. Soziale Verkehrspolitik entstehe nur, „wenn wir Lösungen für alle Verkehrsteilnehmer schaffen.“
Nürnberg soll „für alle funktionieren“
Ein Satz, den Nasser Ahmed an diesem Abend mehrfach wiederholte: „Nürnberg muss
für alle funktionieren!“ Doch was ist mit der Drogenszene am Nelson-Mandela-Platz
hinter dem Bahnhof und im Südstadtpark? „Das ist das Ergebnis einer gescheiterten
Drogenpolitik“, sagte Nasser Ahmed. Statt die Menschen zu verdrängen, fordere er
Unterstützung und Hilfe, etwa durch einen geschützten Drogenkonsumraum. Nur so
lasse sich das Problem aus seiner Sicht sozialpolitisch bewältigen. Er nannte weitere
Orte, an denen Nürnberg noch nicht funktioniere: Gerade beim Leerstand in der
Breiten Gasse sehe er Handlungsbedarf. Damit der Einzelhandel wieder eine
Chance hat, reiche Geld allein nicht aus, so der SPD-Spitzenkandidat. Es brauche
zusätzlich „clevere“ Lösungen, damit Nürnberg „für alle funktioniert“.
Alle weiteren Fragen und Antworten des Abends „Auf ein Seidla mit Nasser
Ahmed“ kannst Du auch nochmal hören. Wir haben dazu eine Podcast-Folge
produziert.
Ein Abend, der Lust auf mehr macht
Marnie aus Fischbach, die an diesem Abend gemeinsam mit ihrer Freundin Silke das
Event besucht hat, zeigte sich begeistert: „Endlich mal auf Augenhöhe mit den
Politikerinnen und Politikern. Beim nächsten Mal komme ich mit einer Handvoll
Fragen im Gepäck.“ Auch dem Mann am Nebentisch seien während des Abends, noch viele weitere Themen eingefallen, die er sich in diesem Format gut vorstellen könne. Und eines sei für ihn völlig klar: „Ich war heute zum ersten Mal dabei, aber ganz sicher nicht zum letzten.“
Und jetzt? Die nächste Chance, selbst mitzuwirken (Für die ganz Schnellen)
Eins, zwei, drei … Und schon steht die nächste Runde an! Wer die ersten beiden Abende verpasst hat, bekommt jetzt eine neue Chance – und diesmal solltest Du wirklich dabei sein. Hier kannst Du Dich anmelden:
- 9. Februar: „Auf ein Seidla mit … Oberbürgermeister Marcus König“ (CSU)
Der amtierende Oberbürgermeister stellt sich dabei Deinen Fragen – direkt und ohne Distanz.


















