Putin stoppen, aber wie?

Veröffentlicht am 3. März 2022
Zuletzt aktualisiert am: 5. Juni 2024

Es gibt viele Menschen in Nürnberg, die intensive Kontakte in die Partnerstadt Charkiv im Osten der Ukraine haben. Sie wird es noch mehr geschockt haben als andere, welche unfassbare Explosion es am Montag, 28. Februar 2022, in dieser zweitgrößten Stadt der Ukraine gab. Direkt vor dem so markanten Gebäude der Regionalregierung, wo Aktivisten Spenden sammelten, schlug eine Rakete ein.

Der Feuerball der Explosion war höher als das sechsgeschossige Gebäude. Auch das Opernhaus und eine Konzerthalle wurden von Geschossen getroffen. Mindestens 10 Menschen starben und weitere 35 wurden verletzt, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Auch mich haben diese Bilder tief betroffen gemacht. Ich war bei meinen Besuchen in Charkiv oft in diesem Gebäude. Die Angriffe jedenfalls entlarvten die Behauptung der russischen Führung um Präsident Wladimir Putin, es würden keine zivilen Einrichtungen angegriffen, als blanke Lüge.

Voreilige Siegesmeldung

Trotz dieser Brutalität scheint der russische Angriff aber stockender zu verlaufen als geplant. Nichts zeigt das besser als eine offenbar versehentlich und vorzeitig veröffentlichte Siegesmeldung. Die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti und das Propaganda-Portal Sputnik verkündeten bereits am Samstagmorgen einen offenbar vorbereiteten Text, der den Sieg Russlands verkünden sollte. Die peinliche Meldung wurde sofort gelöscht, doch das Netz vergisst nichts.

Auch um die Kampfmoral der russischen Kräfte scheint es nicht zum Besten bestellt zu sein. Den Soldaten und Söldnern wurde offenbar beim Einmarsch verschwiegen, dass sie nicht etwa in ein Manöver ziehen, sondern in einen Krieg gegen das Brudervolk. Ihnen stellen sich nicht nur ukrainische Soldaten entgegen, sondern auch viele normale Bürger,

Direkt weiterlesen?
Erstelle Dir jetzt Deinen Zugang!

Hinter Relevanzreporter steht kein Medienkonzern oder Investor. Das gemeinnützige Magazin wird von, für und mit seinen Mitgliedern ermöglicht.

Wir sind unabhängig und werbefrei.

  • Georg Escher
    Autor:in Reporter für Außenpolitik und RR-Ausbildungsbetreuer

Empfohlene Artikel aus dem Schwerpunkt:
Blick nach draußen

  • 1
    Weltkarte der Rangliste der Pressefreiheit 2026 von Reporter ohne Grenzen. Grafik: Reporter ohne Grenzen

    Freie Medien sterben durch Zermürbung

    Gab es in der jüngeren Geschichte je ein Jahr, in dem die Pressefreiheit mehr unter Druck stand? Vermutlich nicht. Freie Medien sterben in Demokratien allerdings nicht mehr an Verboten, werden nicht von Zensur erstickt. Sie sterben daran, dass man sie finanziell stranguliert und gesellschaftlich verächtlich macht – bis sie sich selbst nicht mehr tragen können. Die Bilanz zum Internationen Tag…

    1. Mai 2026
  • 2
    RR-Veranstaltung Mitreden, Georg Escher sitzt am Tisch, in der Bar Ludwigs, Gäste hören zu.

    „Mitreden: Ist Demokratie ein Auslaufmodell?“ – zwischen Zweifel, Kritik und Mut

    Beim Diskussionsabend zur Zukunft der Demokratie sind Sorgen, Analysen und Hoffnungen aufeinandergetroffen. Wie stark treibt Social Media die Demokratiekrise voran und wie lässt sich verlorenes Vertrauen durch Bürgerengagement stärken? Im Gespräch zwischen dem Außenpolitik-Experten und Relevanzreporter Georg Escher und dem Publikum wurde deutlich, dass demokratische Kultur dort entsteht, wo sich Menschen aktiv einmischen und den Raum für Debatte nicht allein…

    6. März 2026
  • 3
    Am 9. April 2003 wurde die mächtige Statue von Machthaber Saddam Hussein in Bagdad gestürzt. Doch mit dem militärischen Sieg war der Kampf längst nicht gewonnen. Im Gegenteil. Foto: Unknown U.S. military or Department of Defense employee

    Diese Aufrüstung ist ein Irrweg

    Es ist passiert. Die Nato-Staaten haben sich Donald Trump unterworfen. Die Allianz ist vorerst gerettet. Trotzdem, diese unfassbare Aufblähung der Militäretats ist ein Irrweg. Gewiss, Russlands brutaler Krieg gegen die Ukraine erfordert eine Reaktion, auch militärisch. Doch ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt unzweideutig: Die Versuche, solche Konflikte militärisch zu lösen, haben alles nur noch schlimmer gemacht. Zeit für…

    4. Juli 2025

Die neuesten Artikel:

  • 1

    Musikförderung in Nürnberg: Wer hilft wie und was fehlt noch?

    Mit der MUZ und Pop Rot Weiss hat die Region Nürnberg zwei Förderinstitutionen, die bundesweit als Vorbild gelten. Ein Blick darauf, was sie leisten und was noch fehlt.

    12. Juni 2026
  • 2
    Reporterin Lea Maria Kiehlmeier und Sängerin Vronsy führen ihr Interview für den Podcast "Nürnberg morgen" im Hummelsteiner Park.

    Neue Podcast-Folge: Im Gespräch mit Vronsy über Nürnbergs Musikszene

    Vronsy hat fast alle Möglichkeiten genutzt, die Nürnberg Musiker:innen bietet. Ein Gespräch über die lokale Musikszene, Förderstrukturen, die viel leisten, aber nicht alles können, und was sich ändern müsste.

    12. Juni 2026
  • 3
    Ohm-Forscher Fabian Sturm mit VR-Brille in der Ohm Innovation Factory

    Warum die Zukunft der Nürnberger Wirtschaft in der Energiebranche liegen könnte

    Wegen der schwächelnden Automobilindustrie sucht die Bundesrepublik nach der nächsten großen Zukunftsindustrie. In Nürnberg zeigen die Energieregion, der Energiecampus und der Nkubator seit vielen Jahren, welche Rolle die Energiewirtschaft dabei spielen könnte. Julian Hörndlein hat sich hinter die Kulissen eines zukunftsträchtigen Innovationsökosystems begeben.

    12. Juni 2026

Schreibe einen Kommentar zu "Putin stoppen, aber wie?"

Zum Kommentieren musst du angemeldet sein.