Weltkarte der Rangliste der Pressefreiheit 2026 von Reporter ohne Grenzen. Grafik: Reporter ohne Grenzen
Reporter ohne Grenzen

Freie Medien sterben durch Zermürbung

Veröffentlicht am 1. Mai 2026
Zuletzt aktualisiert am: 3. Mai 2026

Gab es in der jüngeren Geschichte je ein Jahr, in dem die Pressefreiheit mehr unter Druck stand? Vermutlich nicht. Freie Medien sterben in Demokratien allerdings nicht mehr an Verboten, werden nicht von Zensur erstickt. Sie sterben daran, dass man sie finanziell stranguliert und gesellschaftlich verächtlich macht – bis sie sich selbst nicht mehr tragen können. Die Bilanz zum Internationen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai 2026 ist verheerend, findet Georg Escher.

Wie weit dieser Prozess bereits fortgeschritten ist, zeigen die Vereinigten Staaten. Donald Trumps zweite Amtszeit liefert ein bedrückend griffiges Beispiel dafür, wie selbst in alten Demokratien die Pressefreiheit nicht mehr frontal abgeschafft, sondern systematisch eingeschüchtert wird. Gegen New York Times, Wall Street Journal, ABC, CBS, ja selbst die britische BBC laufen oder liefen Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe. TV-Sendern wird mit Lizenzentzug gedroht. Ob diese Verfahren juristisch Bestand haben, ist zweitrangig. Entscheidend ist die Wirkung: Kritik soll teuer, unbequem und riskant werden.

Von Milliardären übernommen

In einem Austausch an Bord der Air Force One ärgerte sich Donald Trump über Fragen der Journalistin Catherine Lucey und fuhr sie an: "Quiet, Piggy" (Sie still, Schweinchen!). Foto: The White House
In einem Austausch an Bord der Air Force One ärgerte sich Donald Trump über Fragen der Journalistin Catherine Lucey und fuhr sie an: „Quiet, Piggy“ (Sie still, Schweinchen!). Foto: The White House

Im Zweifelsfall werden Zeitungsverlage oder Sender aber auch von mit Trump befreundeten Milliardären aufgekauft. Der Effekt bleibt gleich: Kritische Medien werden an die Kette gelegt.

Zwar bleibt Europa in der von Reporter ohne Grenzen (ROG) jährlich veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit der Kontinent mit den freiesten Medien. Länder wie Norwegen, die Niederlande, Estland, Dänemark, Schweden, Finnland oder Irland verfügen über starke rechtsstaatliche Sicherungen, hohe

Direkt weiterlesen?
Erstelle Dir jetzt Deinen Zugang!

Hinter Relevanzreporter steht kein Medienkonzern oder Investor. Das gemeinnützige Magazin wird von, für und mit seinen Mitgliedern ermöglicht.

Wir sind unabhängig und werbefrei.

  • Georg Escher
    Autor:in Reporter für Außenpolitik und RR-Ausbildungsbetreuer

Empfohlene Artikel aus dem Schwerpunkt:
Blick nach draußen

  • 1
    RR-Veranstaltung Mitreden, Georg Escher sitzt am Tisch, in der Bar Ludwigs, Gäste hören zu.

    „Mitreden: Ist Demokratie ein Auslaufmodell?“ – zwischen Zweifel, Kritik und Mut

    Beim Diskussionsabend zur Zukunft der Demokratie sind Sorgen, Analysen und Hoffnungen aufeinandergetroffen. Wie stark treibt Social Media die Demokratiekrise voran und wie lässt sich verlorenes Vertrauen durch Bürgerengagement stärken? Im Gespräch zwischen dem Außenpolitik-Experten und Relevanzreporter Georg Escher und dem Publikum wurde deutlich, dass demokratische Kultur dort entsteht, wo sich Menschen aktiv einmischen und den Raum für Debatte nicht allein…

    6. März 2026
  • 2
    Am 9. April 2003 wurde die mächtige Statue von Machthaber Saddam Hussein in Bagdad gestürzt. Doch mit dem militärischen Sieg war der Kampf längst nicht gewonnen. Im Gegenteil. Foto: Unknown U.S. military or Department of Defense employee

    Diese Aufrüstung ist ein Irrweg

    Es ist passiert. Die Nato-Staaten haben sich Donald Trump unterworfen. Die Allianz ist vorerst gerettet. Trotzdem, diese unfassbare Aufblähung der Militäretats ist ein Irrweg. Gewiss, Russlands brutaler Krieg gegen die Ukraine erfordert eine Reaktion, auch militärisch. Doch ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt unzweideutig: Die Versuche, solche Konflikte militärisch zu lösen, haben alles nur noch schlimmer gemacht. Zeit für…

    4. Juli 2025
  • 3
    Unmittelbar nach der Inauguration unterschrieb Donald Trump die ersten Dekrete. Foto: Office of Vice President JD Vance

    Trump hat zwei Jahre Zeit

    Eigentlich sträubt sich die Tastatur, schon wieder etwas zu schreiben über Donald Trump. Doch natürlich kommt man am 45. und jetzt auch 47. Präsidenten der USA nicht vorbei. In die Weltuntergangsstimmung, die nun große Teile der unserer Öffentlichkeit erfasst zu haben scheint, muss man allerdings nicht einstimmen. Wie die Zukunft aussieht, werden nicht nur eine Handvoll Hypermilliardäre entscheiden – falls…

    1. Februar 2025

Die neuesten Artikel:

  • 1
    Unterzeichnung des Kooperationsvertrages zwischen CSU und SPD in der Ehrenhalle des Nürnberger Stadtrates

    Zwischen Reformen und Sparzwang: CSU und SPD planen Nürnbergs Zukunft

    CSU und SPD wollen Nürnberg gleichzeitig reformieren, investieren und sparen. Der Kooperationsvertrag zeigt den Plan für diesen Spagat und macht deutlich, wie eng der Spielraum dafür ist. Eine kleine Einordnung von Lilien Wege.

    1. Mai 2026
  • 2
    Feuerwehrmann tippt auf dem Handy, Übungseinsatz, Feuerwehrschläuche liegen am Boden, sechs Feuerwehrmänner von hinten, Löschfahrzeug mit offener Türe

    Wenn alles stillsteht: Nürnbergs Plan für den Krisenfall

    Was tun, wenn plötzlich Strom und Mobilfunk ausfallen, Supermärkte schließen und extreme Wetterlagen oder digitale Bedrohungen den Alltag binnen Minuten lahmlegen? Reporterin Verena Apreck zeigt, wie sich die Stadt auf Krisenszenarien vorbereitet und wie jede:r Einzelne aktiv werden kann.

    1. Mai 2026
  • 3
    Auf der Straße, gegenüberliegende Straßenseite von Ladenlokal, Auto und Fahrradfahrer fahren vorbei

    Leerstand als Chance: Wie Nürnberg seine Innenstadt neu belebt

    Während Fürth’s Innenstadt boomt, verläuft der Wandel in Nürnberg noch zögerlich. Doch gerade im Leerstand steckt Potenzial: Hinter geschlossenen Türen wachsen neue Ideen und bringen Bewegung in die Innenstadt. Reporterin Verena Apreck zeigt, wo in Nürnberg bereits Aufbruch entsteht und wie andere Städte dem Leerstand erfolgreich begegnen.

    17. April 2026

Schreibe einen Kommentar zu "Freie Medien sterben durch Zermürbung"

Zum Kommentieren musst du angemeldet sein.