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Lea Schumm

Relevanzreporter

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Für was braucht Nürnberg Partnerstädte und warum gleich ein gutes Dutzend?

Von: Relevanzreporter Redaktion

Lesezeit: 10 Minuten

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Wir sind in der Spitzengruppe! Denn so viele Partnerstädte wie Nürnberg hat kaum eine andere deutsche Stadt. Doch bedeutet Quantität auch Qualität? Und: Wozu gibt es überhaupt Städtepartnerschaften? Unsere Reporterin Nicole Tennler stellt sich Deinen Fragen.

Bis auf die Buden am vorweihnachtlichen „Markt der Partnerstädte“ hinter dem Nürnberger Rathaus und vielleicht vom Schüler:innenaustausch sind vielen von uns die Partnerstädte weitgehend unbekannt. Doch: Dabei geht es um Deine Steuergelder, unser Ansehen in der Welt, interkulturelle Kompetenz und globale Gerechtigkeit.

Du erfährst in diesem Beitrag außerdem, welche Vereine vor Ort beteiligt sind, was das mit Diplomatie zu tun hat und wo Du mitten in Nürnberg in fremde Kulturen eintauchen oder Deine eigenen Wurzeln entdecken kannst. Los geht’s: Deine erste Frage?

Was, bitte, hat man/ ich von einer Städtepartnerschaft?

Wenn Du auf Reisen erzählst, Du kommst aus Nürnberg, dann reagieren die Leute oft auf zwei Arten: Entweder sie haben noch nie von uns gehört oder es kommt ein „Hitler, Reichsparteitage, Nürnberger Prozesse“ zur Antwort – also noch weit vor Bratwurst, Lebkuchen, Christkindlesmarkt und Kaiserburg. Man assoziiert uns einfach mit dieser hässlichen, braunen Vergangenheit.

Menschen aus Nürnbergs Partnerstädten waren aber vielleicht schon einmal bei uns zu Besuch und sagen dann eher „schöne Altstadt“. Oder sie haben von uns gehört: „Ihr habt uns, glaube ich, mal eine Straßenbahn geschenkt“. Denn in Krakau und Antalya fahren ausrangierte Straßenbahnen aus Nürnberg!

Eine der alten Nürnberger Straßenbahnen in Antalya. Archivfoto: Joachim Hauck
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Außerdem lernen wir voneinander. Das fängt bei der Gleichberechtigung an, wenn sich Stadträtinnen treffen. Oder als MINT-Wissenschaftlerinnen aus Nablus uns besuchten. Dort ist “das Interesse von Frauen an technischen Berufen größer“, berichtete mir Christine Schüßler. Sie ist Leiterin des Amtes für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg und neben allerlei Lektüre diejenige, die mir das Wissen für diesen Beitrag für Dich verschafft hat.

Übrigens tauschen sich auch Angestellte der Verwaltungen, Bibliothekar:innen, Architekt:innen, Archäolog:innen und natürlich Schüler:innen aus. Ein wichtiger Pfeiler sind auch Jugendaustausche: Sie sind nicht zu verwechseln mit dem Schüler:innenaustausch! Dabei vermittelt das Amt für Internationale Beziehungen interessierte Jugendliche für wenige Wochen in die Partnerstädte, ganz unabhängig von den Schulen.

Des Weiteren kommen Tierpfleger:innen aus Prag regelmäßig zum Praktikum in den Nürnberger Tiergarten, während Hotelfachleute nach Córdoba gehen. Uuund die Stadt Nürnberg organisiert regelmäßig Bürgerreisen in die Partnerstädte. Das sind meist klassische Bildungsreisen, straff organisiert, mit Stadtführungen und so. Also weniger für spontane Abenteurer:innen oder junge Familien, aber vielleicht ein schönes Geschenk für die Tante zur Pensionierung…

Okay. Du hast eingangs gesagt, Nürnberg hat so viele Partnerstädte wie kaum eine andere deutsche Stadt. Welche sind das denn?

Insgesamt haben wir 15 Partner in aller Welt. Darunter Nizza an der französischen Riviera, Skopje in Nordmazedonien, die chinesische Metropole Shenzhen, Krakau in Polen, Atlanta im US-Bundesstaat Georgia (entscheidend bei der US-Wahl 2020 und Ort, an dem unsere ehemaligen Christkinder ihren letzten Auftritt in dieser Funktion haben), das Städtchen San Carlos in Nicaragua, die türkische Mittelmeerstadt Antalya und das israelische Hadera. Ab 2024 kommt dann noch die rumänische Stadt Braşov (sprich: “Braschoff”) dazu. Das hat der Nürnberger Stadtrat am 25. Oktober 2023 beschlossen. Freundschaftliche Beziehungen zwischen Nürnberg und Braşov bestehen schon seit 2006.

Zudem sind wir mit Venedig (Italien) verbunden, diese Partnerschaft ist gerade aber inaktiv, wie mir Christine Schüßler, die Leiterin des Amtes für internationale Beziehungen bei der Stadt Nürnberg verraten hat.

Was bedeutet inaktiv? Nur noch auf dem Papier verheiratet? Oder gab’s da Zoff? Und: Was ist eine Städtepartnerschaft eigentlich?

Eine Städtepartnerschaft ist eine Vereinbarung zwischen Städten oder Gemeinden, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Besonders in Europa geht es auch darum, als Gemeinschaft noch näher zusammenzurücken. Konkrete Ziele und Inhalte werden dabei schriftlich in einem Partnerschaftsvertrag festgehalten, den in Nürnberg der Stadtrat abgesegnet und die jeweiligen (Ober-)Bürgermeister unterschrieben haben. Sie sind dauerhaft angelegt und umfassen oftmals viele verschiedene Bereiche.

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Ob’s mit Venedig Stress gab: „Nein, nein, ganz und gar nicht. Venedig ist einfach eine Stadt, mit der Gott und die Welt verbrüdert sein will“, versicherte mir Christine Schüßler. Zoff oder gar einen Rosenkrieg gab es laut der Leiterin des Amtes für internationale Beziehungen nicht. Du kannst Dir das eher so vorstellen, als würde ein:e alte:r Freund:in weiter weg ziehen. Man sieht sich nicht mehr so oft und entwickelt sich vielleicht auch in unterschiedliche Richtungen, setzt neue Prioritäten, aber ihr bleibt Euch wohlgesonnen. Hin und wieder, so Christine Schüßler, komme man aber noch zusammen, mit Venedig zum Beispiel für ein kulturelles EU-Projekt.

„Es gibt auch immer ein bisschen ein Auf und Ab, eine Wellenbewegung. Mit Nizza war tatsächlich auch eine Zeit lang weniger los und jetzt läuft es wieder ganz gut. Die Versöhnungsthematik (Anmerkung der Reporterin: als Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg) ist bei Frankreich auch immer noch wichtig, bei Venedig/Italien ist das nicht relevant.“

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Ah, kapiert. Und wie wird man Partnerstadt? Sagt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) „Liebe Stadt, mach das mal!“? Rufen die Städte bei unserem Oberbürgermeister Marcus König (CSU) an und sagen „Hallo, ich bin’s, Deine neue Partnerstadt“ oder könnte das sogar ich selbst als Bürger:in initiieren?

Nee, Städtepartnerschaften sind Sache der Kommunen. Markus Söder ist also raus. Aber tatsächlich sei Nürnberg als Partnerstadt sehr stark nachgefragt und in der Tat kann der erste Impuls auch von den Bürger:innen, einem Verein oder einer Initiative in Nürnberg kommen. Das ist oft bei sogenannten Städtefreundschaften der Fall, von denen ich Dir gleich noch erzählen möchte. Egal, wer den Anfang macht: Am Ende muss der Stadtrat zustimmen.

Auf absehbare Zeit könnte es aber schwierig werden, neue Partnerstadt Nürnbergs zu werden. Die Stadt hat quasi einen Annahmestopp verhängt – schon seit den 1990er Jahren: „Wir haben mit 14 Städten schon sehr viele Partnerschaften”, schilderte mir Christine Schüßler vom zuständigen Amt. Dabei geht es sicher auch ums Finanzielle. Wie man trotzdem noch eine richtige Partnerstadt wird, können wir vom spanischen Córdoba lernen, das 2010 hinzukam.

Das andalusische Córdoba ist seit 2010 Partnerstadt von Nürnberg. Foto: Philipp Demling

Ui, wie lief’s da?

Das Centro Español machte für so eine Verbindung Werbung und richtete Kulturveranstaltungen aus. Dann informierte es den Oberbürgermeister und schrieb die Nürnberger Parteien an. Nun gründete sich der Verein “Conoris” zur Förderung der Partnerschaft. Stadtratsmitglieder wurden an Bord geholt und gebeten, dass ihr Gremium einer Partnerschaft mit Córdoba zustimmen soll. Nach dieser Überzeugungsarbeit folgte die Verwaltungsarbeit bis zum offiziellen Dokument mit dem Partnerschaftsvertrag.

Solche Vereine sind also ganz wichtig. Und das gilt schon für Städtefreundschaften. Denn auch diese entwickeln sich mit der Zeit aus dem Engagement einzelner Vereine, wie mir Christine Schüßler verriet: „Für Nablus hat sich auch ein Verein gebildet, der gesagt hat: ‚Wir haben in Israel eine Partnerschaft, wir fänden es gut, wenn wir auch in den palästinensischen Gebieten eine Partnerstadt hätten.‘” Es seien einzelne Personen gewesen, die aus Nablus kamen “und so hat sich dann Zug um Zug entwickelt, dass wir jetzt auch Nablus mit betreuen; nicht als Partnerstadt, sondern als befreundete Kommune, aber wir unterstützen auch Austauschprogramme.“

Was ist denn eine befreundete Kommune?

Neben der Städtepartnerschaft gibt es noch eine weitere Verbindungsform: Städtefreundschaften. Sie werden bei der Stadt Nürnberg auch unter dem Begriff „befreundete Kommunen“ geführt wird. Dazu gehört sogar eine andere deutsche Stadt: Gera in Thüringen. 1988, also noch zu DDR-Zeiten, ist diese Verbindung vom damaligen Oberbürgermeister Peter Schönlein (SPD) besiegelt worden.

Insgesamt acht solcher Städtefreundschaften unterhält die Stadt Nürnberg. Neben Gera sind das Klausen und Montan, zwei Städte in Südtirol, außerdem Verona (Italien), Brasov (Rumänien), Bar (Montenegro) und Nablus (Israel). Für die sri-lankischen Fischerdörfer Kalkudah und Kalmunai, die 2004 vom großen Tsunami betroffen waren, haben wir zudem eine Patenschaft. Obwohl es mehrere Dörfer sind, zählen sie als eine einzige Städtefreundschaft.

Diplomatie ist gefragt

Will man sich als Stadt niemanden verprellen, ist enormes Fingerspitzengefühl nötig. Das zeigt das Beispiel der Partnerstadt mit Hadera (Israel) und der Städtefreundschaft mit dem palästinensischen Nablus.

Viele – nicht immer einfache – Gespräche mit der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg seien damals geführt worden. Die Stadt Nürnberg steht bis heute laut Christine Schüßler auf dem Standpunkt: “Wir wollen uns nicht auf eine politische Seite stellen, sondern sehen in jeder Partnerschaft immer erst das Menschliche, das Verbindende.“

Hehre Wünsche angesichts der gewalttätigen Auseinandersetzungen, die im Oktober 2023 in Israel/Gaza erneut eskalieren. Dass es prinzipiell aber funktionieren kann, habe beispielsweise der wegen der Corona-Pandemie ausgefallene Markt der Partnerstädte im Dezember 2020 bewiesen: Die Produkte wurden kurzerhand in einem kleinen Laden verkauft. Unter anderem beteiligt: Vertreter:innen von Nablus und Hadera. Laut Christine Schüßler, der Leiterin des Amtes für Internationale Beziehungen, haben sie sich gegenseitig geholfen, der Eine vom Anderen gekauft: „Auf so einer Ebene läuft die Zusammenarbeit ganz gut.“

In abgeschwächter Form gilt das übrigens auch für Skopje und Kavala: Die eine Stadt liegt in Nordmazedonien, die andere in der griechischen Region Makedonien. Die Menschen in beiden Gebieten befinden sich ebenfalls seit langem im Streit um Namen und die Deutung der Historie.

Uff, Städtepartnerschaft und -freundschaft. Was kommt da noch?

Nur noch eine weitere Form: die projektbezogenen Kooperationen. Die werden in den letzten Jahren immer mehr und vorrangig mit Städten oder Gemeinden im globalen Süden geschlossen.

So gibt es inzwischen eine erste Projektezusammenarbeit auf dem afrikanischen Kontinent. Konkret ging es dabei um sechs Solaranlagen in den Orten Sokode und Aneho im westafrikanischen Togo. 2020 bauten zwei örtliche Installationsfirmen die Anlagen, ein deutscher Lieferant stellte das Material zur Verfügung, eine fränkische Consulting-Firma wurde für die technische Unterstützung angeheuert und die Stadt Nürnberg koordinierte letztendlich das Projekt.

Mit den Partnerstädten und Städtefreundschaften zusammen kommt die Stadt Nürnberg im Oktober 2023 also auf mehr als 20 Kooperationen mit Städten und Gemeinden auf vier Kontinenten.

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Kann man sich auf den Titel “Partnerstadt” dann etwas einbilden?

Nee. In der Praxis ist laut der Leiterin des Amtes für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg die Unterscheidung zwischen Städtepartnerschaft und -freundschaft gar nicht so wichtig. Jugend- oder fachlicher Austausch sowie Kulturveranstaltungen können auch stattfinden, wenn “keine Unterschrift darunter steht”. Entscheidend für die Unterstützung durch die Stadt sei, dass sich “viele Menschen dafür begeistern.”

Wie unterschiedlich oder ähnlich sind uns denn unsere Partnerstädte?

Viele unserer Partnerstädte sind uns tatsächlich in irgendeiner Weise ähnlich. Atlanta in den USA ist zum Beispiel ähnlich groß wie Nürnberg. Mit Prag, Krakau und Venedig sind wir schon seit dem späten Mittelalter verbunden (siehe Infokasten). Und bei Charkiw waren historische Gründe ausschlaggebend, unter anderem die Wiederaufbauhilfe nach dem Atomunglück von Tschernobyl.

Die ukrainische Millionenstadt Charkiw ist seit Anfang der 1990er Jahre Partnerstadt von Nürnberg. Foto: Philipp Demling



Bei Städtepartnerschaften anderer deutscher Kommunen reicht dagegen schon mal ein ähnlicher Name, wie bei Coburg und seiner kanadischen Partnerstadt Cobourg zum Beispiel. Köln und Rio de Janeiro haben zum Beispiel über ihre Karnevalstradition zueinandergefunden. 

Die Größe allein ist dagegen kein Kriterium: Unsere größte Partnerstadt, die Metropole Shenzhen hat schließlich schon um die 12 Millionen Einwohner:innen, Tendenz steigend. Denn die Stadt, nur 30 Kilometer neben Hongkong gelegen, erlebt einen Bauboom, der selbst für chinesische Verhältnisse enorm ist. Auch unsere kleinste „echte Partnerstadt“ San Carlos ist in den letzten Jahren kräftig gewachsen: Schätzungen zufolge hatte sie 2020 in etwa so viele Einwohner wie Schwabach. Und Kalkudah und Kalmunai, die Fischerdörfer in Sri Lanka, deren Paten wir sind, zählen sogar nur ein paar Hundert Menschen.

Was hat es eigentlich mit diesen Patenschaften in Sri Lanka oder auch der Kooperation in Togo auf sich. Das erinnert mich an diese rührseligen Spenden-Werbespots zu Weihnachten mit „den armen Kindern in Afrika“ und kann ja schnell “von oben herab” sein. Noch dazu in der ehemaligen deutschen Kolonie Togo…

Ja, genau! In der Entwicklungshilfe ist gut gemeint nicht unbedingt auch gut gemacht. Und gerade in ehemaligen Kolonien hat das schnell einen faden Beigeschmack. Ich habe deshalb Christine Schüßler danach gefragt. Sie hat mir erzählt, dass der Impuls von der afrikanischen Community in Nürnberg ausging: „Sie haben gesagt: ,Mit allen habt Ihr eine Partnerschaft, aber auf dem riesengroßen Kontinent Afrika keine einzige.'”

Blick in die Geschichte:
Nürnbergs Städtepartnerschaften

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die internationale Zusammenarbeit im Zeichen der Versöhnung. 1954 näherte sich Deutschland vorsichtig seinen Nachbarländern an: Ein Fünferpakt mit Nizza, Venedig, Locarno und Brügge begründete Nürnbergs erste Städtepartnerschaften.

Ab den 1970er Jahren suchten sich deutsche Städte zunehmend Partner im damaligen Ostblock. Seit 1979 sind wir so mit Krakau/ Polen verbunden. Durch die zentrale Lage in Europa reichen unsere Bande mit Krakau aber – ebenso wie mit Prag – zurück bis ins 15. Jahrhundert, als Nürnberg eine blühende Handelsstadt und ein Verkehrsknotenpunkt war.

Gleichzeitig kamen fortan immer mehr Impulse aus Gruppen und Vereinen von beispielsweise (ehemaligen) Gastarbeiter:innen aus der Türkei, Spanien oder Griechenland. Sie suchten die Verbindungen in die Heimat. Daraus erwuchsen die Städtepartnerschaften mit Antalya, Kavala und Córdoba. So unterhält auch der Presseclub Nürnberg Beziehungen zum Presseclub in Antalya – unter anderem zur Solidarität mit den durch Präsident Erdogan unter Druck stehenden Medienschaffenden dort.

In den 1990er Jahren wurden Städte wie Atlanta oder Shenzhen zu Partnern. Die Ausrichtung der Partnerschaften also zunehmend globaler. Dabei ging es auch ums Geld: Die wirtschaftliche Zusammenarbeit rückte in den Fokus.

In jüngster Zeit engagiert sich die Stadt Nürnberg vermehrt in der „Kommunalen Entwicklungspolitik“. Unsere erste Partnerschaft im globalen Süden, mit San Carlos in Nicaragua, besteht allerdings schon seit 1985. Nürnbergs Partnerstadt Charkiw im Osten der Ukraine ist stark von Russlands Angriffskrieg betroffen. Der Partnerschaftsverein Charkiw-Nürnberg e. V. leistet umfangreiche humanitäre Hilfe für die Kriegsopfer, organisiert z. B. Transporte von Lebensmittelpaketen, Krankenhausbetten, Rollstühlen und anderen Hilfsgütern. Ein weiteres ständiges Projekt des Vereins sind Therapiemaßnahmen für kriegstraumatisierte Kinder.

Das Amt für Internationale Beziehungen hat daraufhin Gelder beim Bund eingetrieben, um das Projekt anzustoßen. Die Solaranlagen selbst zahlten am Ende aber zu 90 Prozent die Bayerische Staatskanzlei, zu fünf Prozent die Stadt Nürnberg und zu je 2,5 Prozent die togolesischen Gemeinden Sokode und Aneho. Denn dieses Land machte das Rennen: In mehreren Runden war gemeinsam mit der afrikanischen Community in Nürnberg und an dem Kontinent Interessierten geklärt worden, mit welchem Land man kooperieren möchte: „Das ist gar nicht so einfach, denn es sind dutzende afrikanische Länder in Nürnberg vertreten”, sagte Christine Schüßler.

Na, dann ist die Auswahl doch groß!?

Jain, denn auch praktische Überlegungen spielten in die Auswahl mit hinein: In manchen Ländern ist die politische Situation schwierig, diese wurden im Vornherein ausgeschlossen: „Ein Land, in dem es keine gescheite Kommunalverwaltung gibt, bringt uns auch nichts. Da haben wir ja keine Partner. Oder wo kein Mensch hinreisen kann, weil es einfach zu gefährlich ist“, so Christine Schüßler.

Nürnbergs polnische Partnerstadt Krakau hat ebenfalls einen Hauptmarkt (“Rynek Główny”). Ebenso wie Nürnberg war Krakau in der Renaissance eine wichtige Handelsmetropole. Foto: Philipp Demling

Die stärkste afrikanische Bevölkerungsgruppe in Nürnberg sind übrigens Äthiopier:innen mit etwa 1200 Menschen (Stand 2018). Trotzdem stimmte die Mehrheit für Togo: die Kontakte in die Verwaltung waren besser, die Situation stabiler. Die Entscheidung ist aber keine endgültige. Weil so viele unterschiedliche Regionen interessiert seien, solle mit der Projektpartnerschaft in einem Land begonnen werden, “eher stellvertretend”, um nach einer gewissen Zeit ins nächste Land zu gehen.

Interessant hierbei: Es gibt offensichtlich entgegengesetzte Interessen auf beiden Seiten. Die Stadt will mit ihrem Engagement auf dem afrikanischen Kontinent lieber in die Breite gehen und möglichst viele Kommunen unterstützen – die Partner im westafrikanischen Togo wünschen sich eher eine tiefere Zusammenarbeit.

Wo Du unsere Partner treffen kannst:

Feste der Partnerstädte

Etwas weniger bekannt als der weihnachtliche Markt der Partnerstädte hinter dem Rathaus, ist das Fest der Partnerstädte namens „Grenzenlos“ im Nürnberger Tucherschloss. Es ist das sommerliche Pendant zum Markt im Winter: Jährlich im August kannst Du je eine Partnerstadt kennenlernen. Beim „Grenzenlos“- Fest 2022 stand die polnische Metropole Krakau im Mittelpunkt. Es traten Bands aus Nürnbergs Partnerstadt auf, polnische Animationsfilme wurden gezeigt – und die 2. Nürnberger Dackelparade führte vom Hauptmarkt ins Tucherschloss. In Krakau treffen sich schon seit 1990 jedes Jahr hunderte Dackebesitzer:innen und zeigen stolz ihre Tiere.

Das Krakauer Haus

Das Krakauer Haus (mit dem Krakauer Turm) ist Teil der Stadtmauer und steht auf der Hinteren Insel Schütt unweit des Cinecittas. Es gehört der Stadt Krakau und ist deren kulturelle Botschaft in Nürnberg. In der polnischen Stadt gibt es übrigens ein „Nürnberger Haus“, ebenso im ukrainischen Charkiw.

Wein, Konzert und Tanz

Eine Weinprobe mit Nizza oder das Weihnachtskonzert 2020 mit Shenzhen (statt in der Meistersingerhalle auf Youtube): Das sogenannte „Internationale Haus“, der Stammsitz des städtischen Amtes für Internationale Beziehungen im Heilig-Geist-Haus hat seit Beginn der Pandemie mehrere Events auf Online-Angeboteumgestellt. “Gleichzeitig muss man Städte und Begegnungen auch spüren, findet die Leiterin des Amtes. Im Januar 2021 feierten sie das typisch schottische Fest Burns Supper online zum Mitmachen: Man aß Haggis, trank Whiskey und tanzte zu schottischer Musik. Videoeinspieler kamen aus Glasgow. Und wer wollte, konnte zu Hause mittanzen, was zwei Schotten, die in Nürnberg leben, vortanzten.



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