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„Nicht mehr Nachrichten, sondern andere“

Von: Georg Escher

Wer möchte nicht mal an einer echten Redaktionskonferenz teilnehmen und direkt verfolgen können, wie Themen gefunden werden oder wie Nachrichten und Berichte entstehen? Für einige Besucher:innen des Nürnberg Digital Festivals 2023 gab es diese Möglichkeit. Sie konnten bei einer offenen Redaktionskonferenz der relevanzreporter.de mitmachen.

Wie zufrieden er mit dem Lokaljournalismus sei? „Ich habe das Gefühl, ich werde zugefüttert mit Informationen, aber es ist oft oberflächlich und nicht wirklich relevant“, meinte einer der Teilnehmer einer offenen Redaktionskonferenz, die das Online-Start-up Relevanzreporter im Rahmen des Nürnberg Digital Festivals abhielt. Wenig schmeichelhaft, aber gerade heraus.

Ein anderer hatte sich kürzlich über Meldungen geärgert, wonach in einer angeblich repräsentativen Umfrage 33 Prozent der befragten Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren es angeblich „akzeptabel“ finden, wenn ihnen im Streit mit der Partnerin gelegentlich „die Hand ausrutscht“. So war es auf allen Kanälen berichtet worden, doch der Teilnehmer dieser Redaktionsrunde, die in den Räumen des Museums für Kommunikation Nürnberg stattfand, wollte das nicht recht glauben. Da sei bestimmt die Fragestellung sehr suggestiv gewesen, vermutete er. Und siehe da: Just diese Frage war kürzlich auch in einer Redaktionskonferenz der Relevanzreporter aufgeploppt, und eine Kollegin wollte sich an die Recherche machen – die allerdings noch nicht abgeschlossen ist.

Acht Besucher:innen des Digital Festivals jedenfalls wollten sich die Chance nicht entgehen lassen, einmal selbst an einer Redaktionskonferenz teilzunehmen: vier Männer, vier Frauen. Unter ihnen auch eine Redakteurin der russischen Zeitung Nowaja Gasata, die sich seit einem Monat in Deutschland aufhält, sowie eine ukrainische Fotografin aus Nürnbergs Partnerstadt Charkiv. Beide sind wegen des Krieges in der Ukraine jetzt in Deutschland.

Ein Blick in die offene Redaktionskonferenz der Relevanzreporter: Gäste und Redaktionsmitglieder debattieren über mögliche Themen und wie man diese umsetzen könnte.
Ein Blick in die offene Redaktionskonferenz der Relevanzreporter: Gäste und Redaktionsmitglieder debattieren über mögliche Themen und wie man diese umsetzen könnte. Foto: Georg Escher

Vielleicht zu ihrer eigenen Überraschung sollten die Gäste der Redaktionskonferenz nicht nur Mäuschen spielen, sondern aktiv teilnehmen. Sie sollten eine der vier angebotenen Rollen übernehmen: Reporter:in, (Info-)Grafiker:in/Illustrator:in, Community Manager:in oder Fotograf:in. Erst erklärte Gründerin Alexandra Haderlein kurz das Konzept ihres journalistischen Projekts relevanzreporter.de. Man wolle nicht die tagesaktuellen Themen aufgreifen, sondern stattdessen dauerhaft relevante Themen behandeln: wie die Mobilität der Zukunft aussehen soll, wie Wohnen wieder erschwinglich werden könne, was zu tun wäre, um das Stadtklima auch in Zukunft erträglich zu halten, oder wie die Kulturszene trotz aller Sparzwänge attraktiv gehalten werden kann. Das Ziel der Relevanzreporter seien „nicht mehr Nachrichten, sondern andere“, meinte sie.

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Und dann ging‘s auch gleich los mit der Diskussion. Schnell zeigte sich, dass vor allem die Themen Verkehr und Wohnen eigentlich alle Beteiligten umtreiben. RR-Chefredakteurin Lilien Wege berichtete von einer Studentin aus der Relevanzreporter-Community, die sich das Wohnen in der Stadt kaum noch leisten könne. Aber auch ein Umzug aufs billigere Land komme nicht wirklich in Frage, weil es da eben an einer guten Anbindung in die Stadt fehle. Unsere Social-Media-Expertin Lea Kiehlmeier berichtete von einem Ärgernis aus Erlangen, wo sie wohnt. Da fahre ein Bus, in den sie umsteigen muss, eine Minute früher als sie ankomme. Dann müsse sie 20 Minuten warten. Ärgerlich.

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Löschen

Eric, der Engländer in der Runde, wies darauf hin, dass es in vielen Städten gute Verkehrskonzepte auch für Fußgänger oder Radfahrer gebe, so etwa in Paris oder Kopenhagen. Das könne man doch mal vergleichen. Alisa, die Redakteurin aus Russland, regte an, man könne doch Daten über Unfallschwerpunkte und sonstige Hotspots nutzen. Klar, es gebe ja Daten, ergänzte RR-Autor Julian Hörndlein. In Nürnberg würden derzeit gerade die Fußgängerströme ausgewertet. Das könnte ein guter Ausgangspunkt sein. „Ich habe jetzt schon megabock auf diese Recherche!“, freute sich Alexandra am Ende. Mal sehen, was rauskommt.

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