Öffnet in einem neuen Tab

Das bewegt St. Leonhard, Sündersbühl und Schweinau – Unsere Offene Redaktionskonferenz

Veröffentlicht am 31. Oktober 2025
Zuletzt aktualisiert am: 30. Juli 2026

Wow, was die Stadtteile St. Leonhard, Schweinau und Sündersbühl zusammenhält und herausfordert! Bei der Offenen Redaktionskonferenz im Oktober 2025 haben sich zwölf Menschen aus dem Nürnberger Südwesten Zeit genommen, offen über ihre Sorgen, Hoffnungen und Ideen zu sprechen. In geschützter Atmosphäre wurde schnell klar: Es geht um weit mehr als den Frankenschnellweg. Chefredakteurin Lilien Wege erzählt von einem Abend, der nicht nur Probleme sichtbar machte, sondern auch erste Ideen für Lösungen aufzeigte.

Die Relevanzreporter-Redaktion hatte in die Villa Leon eingeladen, in den Stadtteil St. Leonhard, gleich hinter der Rothenburger Straße unweit des Frankenschnellwegs. Natürlich ist das große Umbauprojekt „Frankenschnellweg“ das Stadtgespräch im Südwesten Nürnbergs, aber eben auch nicht nur. Im Laufe des Abends sollten viele andere spannende Themen aufkommen.

Wie könnte ein fußgängerfreundlicher Stadtteil hier im Südwesten Nürnbergs aussehen?

Die Villa Leon, Kulturladen für den Stadtteil St. Leonhard, Foto: Giuseppe Troiano

Das Baureferat wurde in der Vergangenheit mal angesprochen, ob nicht auch ein fußgängerfreundlicher Stadtteil hier entstehen könnte, erzählen Norman und Christina vom Bürgerverein St. Leonhard. Doch Antworten stehen hier bisher aus. Die Leopoldstraße gelte als positives Beispiel ab dem kleinen Marie-Juchacz-Park bis zum Bolzplatz, sagen die Beiden – ganz anders große breite Ausfallstraßen, die schon autobahnähnlich wirken wie der Frankenschnellweg oder „An den Rampen“, wo Verkehrslärm dominiere und Aufenthaltsqualität fehle. Kreuzungsfreie Übergänge nach Gostenhof? Das wäre schon schön, meint beispielsweise Norman. Doch das werde es beim Umbau des Frankenschnellwegs leider nicht geben, so die einhellige Meinung aller Teilnehmer:innen, die die Planungen der Stadt genau kennen.

Mobilität und Infrastruktur

Radwege nach Schweinau? Zurzeit noch Fehlanzeige, obwohl doch der Ausflug Richtung Süden (ins Grüne) durchaus attraktiv wäre. Fahrradständer? Abmontiert. Bänke für Fußgänger? Mangelware, beschwert sich Teilnehmer Gerhard, der seit mehr als 50 Jahren in St. Leonhard lebt. Die Heinrichstraße sei überfüllt mit Autos, auf beiden Seiten werde geparkt, sodass man nur mühsam durchkommen. Quartiersparkhäuser wären eine Lösung, meinen die Anwesenden, fehlen aber auch. Und selbst wenn: Entscheidend bei all den Maßnahmen seien die Gebühren, sind sich die Teilnehmer:innen einig. Denn wenn die Parkplätze in Garagen zu teuer seien, könne sie rein finanziell niemand nutzen. So bleibe der „arme Stadtteil“ auf der Strecke, kommentiert Norman.

Wirtshaussterben und Café-Schließungen

Wirtshäuser, Cafés und Restaurants haben schließen müssen in der unmittelbaren Umgebung der Villa Leon, sagt Gerhard, der seit über 50 Jahren in St. Leonhard lebt. Foto: Giuseppe Troiano

Nicht nur die Mieten in den Wohnhäusern „gehen zum Teil durch die Decke“ (Norman), beliebte alteingesessene Restaurants und Cafés würden wegen zu hoher Mieten und Pachtverträge schließen, bestätigt auch Gerhard. In der unmittelbaren Umgebung der Villa Leon beispielsweise gebe es keine Bewirtung mehr, unterstreicht Teilnehmerin Christina.

Verdichtung, Gentrifizierung und Wohnungsnot

Gerade in St. Leonhard leben besonders viele Menschen auf engem Raum zusammen – nur eine Nürnberger Ecke ist noch dichter besiedelt, nämlich die Südstadt. Sechsgeschossige Luxusneubauten würden den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum für Familien verdrängen. Möblierte Mikro-Appartements für 600  Euro umgehen offenbar gängige Mietkriterien. Die würden im großen Stile gebaut, während viele Familien schlichtweg keinen Platz fänden und wegziehen müssten, erzählt Teilnehmerin Ulla. Auch sie fand mit ihren Kindern keine adäquate Wohnung mehr und zog vor ein paar Jahren an den Stadtrand.

Bildung unter Druck

Unsere Moderator:innen des Abends Lea Maria Kiehlmeier und Georg Escher, Foto: Giuseppe Troiano

Die Michael-Ende-Schule platze aus allen Nähten, Kindergärten seien voll, Ganztagsbetreuung überlastet. Die Stadt hinke beim Ausbau hinterher – während die Bevölkerung wachse und sich das soziale Gefüge durch Gentrifizierung spürbar verändern würde, kritisieren die Teilnehmer:innen. Die Streetworker fangen auf: Gerade die von gemeinnützigen Anbietern würden wertvolle Arbeit leisten, die besonders bei den Jugendlichen gut ankäme, meint die anwesende Runde bei der Offenen Redaktionskonferenz in der Villa Leon.

Engagement und Hoffnung

Auch der Kulturladen „Villa Leon“ bietet neben Kulturevents alltägliche Hilfe an: Die zwei jungen Mitarbeiterinnen der Villa Leon, Lina und Finja, die bei der Offenen Redaktionskonferenz mit uns am Tisch sitzen, betonen, dass beispielsweise die Tauschregale sehr gut angenommen werden. Doch auch hier zeige sich, sind sich alle einig: Wenn zu wenig in Infrastruktur investiert werde, drohe der Strukturwandel zum sozialen Abstieg.

Das Fazit: Gerade St. Leonhard stünde im Vergleich zu anderen Stadtteilen (Stand: 22. Oktober 2025) laut einigen Teilnehmenden an einem Kipppunkt. Die Anwohner:innen hier können sich hohe Mieten nicht leisten, leben zum Teil in beengten Verhältnissen und haben nur sehr wenig kostenlose Freizeitangebote. Gerade hier bräuchten die Leute mehr Unterstützung von der Lokalpolitik, um bezahlbaren Wohnraum, weitere Begegnungsorte und Betreuungsangebote zu schaffen.

Die Bewohner:innen der Stadtteile im Südwesten sind daher oft selbst engagiert, haben Ideen für niedrigschwellige Angebote, damit möglichst alle abgeholt werden. Neben all den Herausforderungen, die am Abend angeschnitten worden sind, hatten die Teilnehmer:innen aber auch erste Lösungsansätze erörtert. Diese werden die Relevanzreporter in ihren weiteren Recherchen direkt aufgreifen.

  • Lilien Wege geb. Zeljko
    Autor:in Chefredakteurin, Reporterin für Newsletter, Social Media und journalistische Veranstaltungen

Empfohlene Artikel aus dem Schwerpunkt:
Aus der Redaktion

  • 1
    Weltkarte der Rangliste der Pressefreiheit 2026 von Reporter ohne Grenzen. Grafik: Reporter ohne Grenzen

    Freie Medien sterben durch Zermürbung

    Gab es in der jüngeren Geschichte je ein Jahr, in dem die Pressefreiheit mehr unter Druck stand? Vermutlich nicht. Freie Medien sterben in Demokratien allerdings nicht mehr an Verboten, werden nicht von Zensur erstickt. Sie sterben daran, dass man sie finanziell stranguliert und gesellschaftlich verächtlich macht – bis sie sich selbst nicht mehr tragen können. Die Bilanz zum Internationen Tag…

    1. Mai 2026
  • 2
    RR-Veranstaltung Mitreden, Georg Escher sitzt am Tisch, in der Bar Ludwigs, Gäste hören zu.

    „Mitreden: Ist Demokratie ein Auslaufmodell?“ – zwischen Zweifel, Kritik und Mut

    Beim Diskussionsabend zur Zukunft der Demokratie sind Sorgen, Analysen und Hoffnungen aufeinandergetroffen. Wie stark treibt Social Media die Demokratiekrise voran und wie lässt sich verlorenes Vertrauen durch Bürgerengagement stärken? Im Gespräch zwischen dem Außenpolitik-Experten und Relevanzreporter Georg Escher und dem Publikum wurde deutlich, dass demokratische Kultur dort entsteht, wo sich Menschen aktiv einmischen und den Raum für Debatte nicht allein…

    6. März 2026
  • 3
    Im Afterwork sitzen Menschen am Tisch in gesellschaftlicher Runde. Ein Mann hebt den Arm, um eine Frage zu stellen.

    Auf ein Seidla mit den Kandidat:innen zur Kommunalwahl

    Wer wird Nürnbergs nächste:r Oberbürgermeister:in? Bei „Auf ein Seidla mit …“, der Relevanreporter-Runde zur Kommunalwahl 2026, triffst Du die Spitzenkandidat:innen von CSU, SPD und Grünen direkt am Tisch – locker, ehrlich, auf Augenhöhe. Stell Deine Fragen und diskutiere mit. Jetzt anmelden!

    5. Januar 2026

Die neuesten Artikel:

  • 1
    Bauarbeiter von Kollmer-Bau auf der Fernwärme-Baustelle in der Meuschelstraße/Ecke Kaulbachstraße (Maxfeld).

    Ein Jahr Klimaplan: Wie weit Nürnberg wirklich gekommen ist

    Nürnberg will bis 2040 klimaneutral sein. Ein Jahr nach dem Beschluss des Klimaplans sind viele Maßnahmen angelaufen, doch wichtige Strukturen fehlen noch. Anett Hentschel schaut darauf, was bereits funktioniert, wo es hakt und warum ausgerechnet jetzt das Geld zur entscheidenden Frage wird.

    2. Oktober 2026
  • 2
    Uta Hübner auf einem Fenchelfeld im Knoblauchsland.

    So wappnet sich das Knoblauchsland gegen das Extremklima

    Der Sommer 2026 hat das Knoblauchsland hart getroffen. Während die Gemüsebetriebe im Nürnberger Norden relativ gut mit der Hitze und der Trockenheit zurechtkommen, schlummert in Stürmen und Unwettern eine große Gefahr. Julian Hörndlein hat ergründet, wie Nürnberger Tomaten, Auberginen, Fenchel und Lauch den heißen Sommer 2026 erlebt haben, wie das Knoblauchsland künftig mit Extremwetter umgehen wird und warum Nürnberg eine…

    2. Oktober 2026
  • 3
    Ausgedienter Christbaum liegt auf dem Gehweg der Bahnhofstraße.

    Straßenreinigung: Grundstückseigentümer müssen bald rund 25 Prozent mehr zahlen

    Saubere Straßen werden in Nürnberg deutlich teurer: Ab 2027 steigen die Straßenreinigungsgebühren um bis zu 27 Prozent. Betroffen sind viele Grundstückseigentümer und indirekt möglicherweise auch Mieter. Alexandra Haderlein erklärt, wer zahlen muss, wie sich die Gebühr berechnet und warum die Stadt die Preise anhebt.

    2. Oktober 2026

Schreibe einen Kommentar zu "Das bewegt St. Leonhard, Sündersbühl und Schweinau – Unsere Offene Redaktionskonferenz"

Zum Kommentieren musst du angemeldet sein.