Giuseppe Troiano

Unser neues Event „Mitreden“ zur US-Wahl 2024

Veröffentlicht am 23. Oktober 2024
Zuletzt aktualisiert am: 10. Juni 2025

In entspannter Atmosphäre wurde erzählt, informiert und diskutiert: Beim ersten Mal “Mitreden” in der Bar Afterwork im Herzen Nürnbergs haben sich viele interessierte Teilnehmer:innen eingefunden. Georg Escher, unser USA-Experte, hat spannende Einblicke in die politische Dynamik und historische Hintergründe gewährt. Eine Frage stand dabei im Mittelpunkt: Kann Kamala Harris (Demokraten) Donald Trump (Republikaner) bei den bevorstehenden US-Wahlen schlagen? Eine Zusammenfassung des Abends von unsere Reporterin Susanne Hausdorf.

Mehr als 20 Leute haben sich an diesem Abend (17. Oktober 2024) versammelt, um endlich mit unserem Experten zu reden: Auslands-Redakteur Georg Escher, der selbst in den USA studierte und eine enge Verbindung zum Land hat, gewährte spannende Einblicke in die politische Dynamik, die das Land spaltet. Moderiert wurde die Veranstaltung von unserer Lokalredakteurin Andrea Beck.

Unser neues Format „Mitreden“ ermöglicht Dir, Dich an der Diskussion zu aktuellen Themen direkt zu beteiligen. Fragen, die Dir unter den Nägeln brennen, kannst Du unserem Experten natürlich gleich vor Ort stellen. Gemeinsam mit Dir suchen wir dann im Laufe des Events nach möglichen Lösungen. So auch an jenem Donnerstagabend in der Bar „Afterwork“ in der Nürnberger Altstadt wurden unter anderen folgende Punkte besprochen:

„Die Todsünde war, dass Trump überhaupt kandidieren konnte“,

Professorin Beatrice Dernbach aus dem Publikum zog eine klare Parallele zwischen den Geschehnissen in Brasilien und den USA. „Ich finde, die Todsünde ist schon dadurch entstanden, dass Trump überhaupt aufgestellt werden konnte. In Brasilien gab es nach der Niederlage von Jair Bolsonaro [Partido Liberal, Präsident von Brasilien 2019 bis 2022, Anmerkung der Redaktion] einen ähnlichen Aufstand wie am 6. Januar 2021 in den USA [Sturm auf das Kapitol]“, sagte sie. Sie hob hervor, dass in Brasilien Jair Bolsonaro von einer erneuten Kandidatur ausgeschlossen wurde – eine Konsequenz, die in den USA bisher nicht gezogen wurde. Diese Beobachtung eröffnete den Raum für weitere Überlegungen zur Stabilität der amerikanischen Demokratie.

Der schleichende Einfluss der Medien

Georg Escher erklärte, dass die zunehmende Polarisierung der USA eng mit der Abschaffung der sogenannten „Fairness Doctrine“ zusammenhängt [Die Fairness-Doktrin schrieb – ähnlich wie in Deutschland – vor, dass Fernsehsender politisch neutral berichten müssen. Die Verlängerung dieser Regel wurde 1987 vom US-amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan (Republikaner) per Veto in den 1980er Jahren verhindert]. Heute gebe es kaum noch neutrale Berichterstattung, was zur tiefen Spaltung zwischen Demokraten und Republikanern beitrage. Besonders eindrücklich beschrieb er den Einfluss von Elon Musk, neuer Besitzer von „X“ (ehemals Twitter), der mit Millionen von Dollar die Trump-Kampagne unterstützt, und den gewaltigen Einfluss einzelner Finanzgrößen auf die amerikanische Politik.

Spannung in den Swing States

Obwohl Kamala Harris in den Umfragen vorne liegt, warnte Escher vor zu viel Optimismus. Alles komme auf sieben Swing States an, und in vielen dieser Staaten sei der Vorsprung äußerst knapp – teilweise nur 1 Prozent. Trump sei oft unterschätzt worden, weshalb der Ausgang der Wahl unsicher bleibe. Georg Escher führte aus, dass Harris einen schwierigen Wahlkampf führe, nachdem sie bereits im Vorwahlkampf gegen Biden intern auf Schwierigkeiten gestoßen war.

Was bedeutet der Ausgang der US-Wahl für Deutschland?

Auf die Frage von Roland Mietke, was die Wahl für Deutschland bedeutet, gab Georg Escher klare Antworten: „Sollte Trump erneut gewinnen, müssten wir uns auf Strafzölle und eine radikale Abkehr von gemeinsamen transatlantischen Abkommen einstellen.“ Der Außenpolitik-Experte plädierte für eine stärkere europäische Eigenständigkeit, warnte jedoch vor den inneren Differenzen in der EU, die ein geschlossenes Vorgehen erschwerten.

Kann man positive Tendenzen in den USA ausmachen?

Auch positive Entwicklungen wurden angesprochen: Corinna Mielke brachte das Thema Abtreibungsrecht ein, das unter den Republikanern verschärft wurde. Diese Verschärfung hätte viele Frauen mobilisiert, aktiv zu werden – ein Faktor, der Harris möglicherweise zugutekommen könnte.

Zum Abschluss waren sich Georg Escher und das Publikum einig: Ein Wahlsieg der Demokraten könnte von Trump nicht akzeptiert werden, und die Folgen könnten schwerwiegend sein. „Wir haben Glück, wenn es nicht zum Bürgerkrieg kommt“, so Georg Escher.

Die Diskussion endete dennoch positiv, mit einem Aufruf zur Aktivität im eigenen Land, damit Extreme keine Chance haben: „Wir müssen raus auf die Straße, miteinander diskutieren und im Gespräch bleiben.“

Die erste „Mitreden“-Veranstaltung der Relevanzreporter hat klar gezeigt: Die US-Wahl 2024 birgt immense Spannung – nicht nur für die USA, sondern auch für uns in Europa. Bilder: Giuseppe Troiano

Vorfreude auf das nächste Mal „Mitreden“

Nicht nur wir von der Relevanzreporter-Redaktion waren sehr zufrieden mit dem Interesse an unserem neuen Format und dem regen Austausch währende der Veranstaltung, auch unsere Gäste, wie zum Beispiel Eva Schmidt freuen sich auf eine Fortsetzung.
Falls Du den nächsten Termin auf keinen Fall verpassen möchtest, abonniere gerne unseren Relevanzbrief:

Relevanzbrief – Unsere kostenlose Wochenpost für Dich

Du möchtest uns unverbindlich näher kennenlernen, Nachrichten aus Deiner Stadt erhalten und erfahren, was wir Dir und unserer Community so zu bieten haben? Kein Problem! Mit unserem wöchentlichen, kostenlosen Relevanzbrief. Hol‘ ihn Dir hier:

Empfohlene Artikel aus dem Schwerpunkt:
Aus der Redaktion, Blick nach draußen

  • 1
    Marcus König hält Bierglas in die Luft, Gäste prosten ihm zu in der Bar Ludwigs, Event "Auf ein Seidla mit ..."

    Ein Finale mit klaren Worten – „Auf ein Seidla mit Marcus König“

    Auch beim letzten Abend der Reihe „Auf ein Seidla mit …“ Marcus König sind Meinungen, Ideen und Visionen aufeinandergetroffen. Wie sicher ist Nürnberg? Wo fehlt Wohnraum, wo Zusammenhalt? Ein lebendiges Gespräch zwischen Politik und Publikum hat echte Nähe zur Stadtpolitik geschaffen und hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, wenn Bürger:innen selbst das Mikrofon übernehmen. Verena Apreck hat den Abend…

    11. Februar 2026
  • 2
    RR-Event im Café Ludwigs, Gäste sitzen an Tischen und hören dem Gespräch zwischen Marc Schmidt von den RR und Nasser Ahmed zu.

    Direkt und ungefiltert: „Auf ein Seidla mit Nasser Ahmed“

    Früher Abend im Café Ludwigs: Zwei Männer sprechen bei einem Seidla über Politik und plötzlich geht es um alles, was Nürnberg bewegt. Wie sozial ist die Stadt? Wo hakt die Verkehrswende? Beim zweiten „Auf ein Seidla mit …“ wurde klar, wie lebendig Dialog sein kann, wenn Menschen miteinander reden statt übereinander. Wer an diesem Abend dabei war, hat ein Gespräch…

    9. Februar 2026
  • 3
    Auf ein Seidla mit Britta Walthelm, RR-Event, Blick auf die Runde mit Gästen, Politikerin und Moderatorin

    Echte Gespräche bei „Auf ein Seidla mit Britta Walthelm“

    Was passiert, wenn Bürgerinnen und Bürger plötzlich Antworten bekommen, die sonst im politischen Alltag untergehen? Wenn Fragen nach Wohnen, Mieten, Bildung, Fachkräftemangel, Stadtumbau oder Klimawandel nicht in Wahlkampfphrasen verpuffen, sondern direkt und ohne Umwege auf dem Tisch landen? Genau das wurde bei unserem ersten „Auf ein Seidla mit …“ deutlich. Wer nicht dabei war, hat einen Abend verpasst, der gezeigt…

    26. Januar 2026

Die neuesten Artikel:

  • 1
    Marcus König hält Bierglas in die Luft, Gäste prosten ihm zu in der Bar Ludwigs, Event "Auf ein Seidla mit ..."

    Ein Finale mit klaren Worten – „Auf ein Seidla mit Marcus König“

    Auch beim letzten Abend der Reihe „Auf ein Seidla mit …“ Marcus König sind Meinungen, Ideen und Visionen aufeinandergetroffen. Wie sicher ist Nürnberg? Wo fehlt Wohnraum, wo Zusammenhalt? Ein lebendiges Gespräch zwischen Politik und Publikum hat echte Nähe zur Stadtpolitik geschaffen und hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, wenn Bürger:innen selbst das Mikrofon übernehmen. Verena Apreck hat den Abend…

    11. Februar 2026
  • 2
    RR-Event im Café Ludwigs, Gäste sitzen an Tischen und hören dem Gespräch zwischen Marc Schmidt von den RR und Nasser Ahmed zu.

    Direkt und ungefiltert: „Auf ein Seidla mit Nasser Ahmed“

    Früher Abend im Café Ludwigs: Zwei Männer sprechen bei einem Seidla über Politik und plötzlich geht es um alles, was Nürnberg bewegt. Wie sozial ist die Stadt? Wo hakt die Verkehrswende? Beim zweiten „Auf ein Seidla mit …“ wurde klar, wie lebendig Dialog sein kann, wenn Menschen miteinander reden statt übereinander. Wer an diesem Abend dabei war, hat ein Gespräch…

    9. Februar 2026
  • 3

    Nürnbergs Wahlkampf der Möglichkeiten – und der harten Grenzen

    Was ändert sich, wenn es bei der Kommunalwahl am 8. März zu einem Wechsel an der Stadtspitze kommt? Wie könnten Nasser Ahmed (SPD), Britta Walthelm (Bündnis 90/Die Grünen) oder andere erfolgreiche Kandidat:innen die Stadt gestalten? Diese und mehr Fragen bespricht Relevanzreporter-Redakteur Julian Hörndlein mit dem promovierten FAU-Politikwissenschaftler Thorsten Winkelmann in der neuen Folge des Podcasts Nürnberg morgen!

    6. Februar 2026

Schreibe einen Kommentar zu "Unser neues Event „Mitreden“ zur US-Wahl 2024"

Zum Kommentieren musst du angemeldet sein.