RR-Veranstaltung Mitreden, Georg Escher sitzt am Tisch, in der Bar Ludwigs, Gäste hören zu.
Thomas Geiger

„Mitreden: Ist Demokratie ein Auslaufmodell?“ – zwischen Zweifel, Kritik und Mut

Veröffentlicht am 6. März 2026
Zuletzt aktualisiert am: 7. März 2026

Beim Diskussionsabend zur Zukunft der Demokratie sind Sorgen, Analysen und Hoffnungen aufeinandergetroffen. Wie stark treibt Social Media die Demokratiekrise voran und wie lässt sich verlorenes Vertrauen durch Bürgerengagement stärken? Im Gespräch zwischen dem Außenpolitik-Experten und Relevanzreporter Georg Escher und dem Publikum wurde deutlich, dass demokratische Kultur dort entsteht, wo sich Menschen aktiv einmischen und den Raum für Debatte nicht allein den Lautesten im Netz überlassen.

Mittendrin in der Sebalder Altstadt Nürnbergs, im gemütlichen Kneipenbetrieb der Bar Ludwigs, skizzierte Georg Escher am Mittwoch, 4. März 2026, eine Diskussion über eine Demokratie im Dauerstress. Neben den spürbaren Herausforderungen rückten im Gespräch aber auch Hoffnung und Handlungslust in den Fokus, etwa beim Thema Dialog und gemeinwohlorientiertes Handeln, welches die demokratische Kultur künftig stärken könnte.

Medien in der Demokratiekrise

Relevanzreporter Georg Escher sitzt am Tisch, Event "Mitreden", spricht ins Mikrofon, Bar "Ludwigs"
Außenpolitik-Experte und Relevanzreporter Georg Escher beantwortet die Fragen der Gäste. Foto: Thomas Geiger

Schnell zeigte sich während des Austauschs die Veränderung der Medienlandschaft als eines der Kernprobleme für die Gefährdung der Demokratie: Journalist:innen erreichten große Teile des Publikums kaum noch, aufwändig recherchierte Artikel prallten an abgeschotteten Öffentlichkeiten ab, etwa an Anhängern von Trump und anderen Rechtspopulisten, so Georg Escher. Er ergänzte: „Das klassische Richtigstellen von Falschbehauptungen wirkt zunehmend sinnlos, weil jede Gruppe ihre eigenen Informationsquellen und Wahrheiten pflegt.“ Wo früher drei Fernsehsender eine gemeinsame Faktenbasis schufen, stehen heute unzählige Kanäle und Plattformen zur Verfügung, so der Relevanzreporter. „Viele Menschen wählen gezielt Inhalte, die ins eigene Weltbild passen“, und diese Fragmentierung spiegle sich auch in den Parlamenten wider. Die Folge: Immer mehr Parteien, brüchige Mehrheiten und eine wachsende Unübersichtlichkeit.

Im Punkt Social Media waren sich an diesem Abend alle einig: „Ohne die sozialen Netzwerke hätte es weder den Brexit noch den Wahlsieg Trumps noch den massiven Vormarsch rechter Kräfte gegeben“, so Georg Escher, „Plattformen wie X oder große Onlinekonzerne liegen in den Händen weniger Unternehmer, während Bots und Trollfabriken Debatten stören.“ Christof R. sprach von einer „Einbahnstraße“, in der Algorithmen und anonyme Profile die Diskussionen dominierten. Regulierung auf europäischer Ebene existiere zwar, greife aber kaum im Alltag. „Das Ergebnis ist eine Medienumgebung, die mit demokratischer Kultur zunehmend auf Kriegsfuß steht“, so der Außenpolitik-Experte. Christof R. brachte die Ambivalenz auf den Punkt: „Social Media ist eine Gefahr für die Demokratie, aber es ist nicht wegzudenken. Die zentrale Frage bleibt, wie man auf diese Entwicklung reagiert.“

Demokratie zwischen Vertrauensverlust und Bürgerengagement

Gleichermaßen wächst der Eindruck, dass das Vertrauen in die Demokratie schwindet: „Viele Menschen glauben nicht mehr, dass Politik komplexe Krisen lösen kann, und greifen stattdessen zu einfachen Antworten“, führte Georg Escher an. Im Zuge dessen nannten die Diskutierenden an diesem Abend die starke soziale Spaltung, extreme Vermögensunterschiede und eine Finanzwirtschaft, die sich vom Alltag der meisten Menschen entferne. „Durch den extremen Reichtum Einzelner und die große Armut Vieler wird auch das Klima immer weiter gefährdet. Denn höheres Einkommen korreliert positiv mit einem höheren CO₂‑Ausstoß“, so Dietmar F. Folge dieser Bewegungen sei ein raues, verhärtetes Klima, in dem Kompromissbereitschaft und Toleranz zurückgehe, beschreibt es Teilnehmer Gisbert E.

Mann spricht ins Mikro, Relevanzreporterin Lilien Wege hält das Mikrofon, Event "Mitreden", Bar "Ludwigs"
Gast stellt Frage beim Event „Mitreden“ in der Bar „Ludwigs“ mit Relevanzreporterin Lilien Wege. Foto: Thomas Geiger

Georg Escher weist zugleich auf die Gegenbewegung hin: „In Deutschland engagieren sich rund 23 Millionen Menschen ehrenamtlich.“ Bürgerdialoge, Sprechstunden und niederschwellige Angebote, in denen Menschen ihre Anliegen einbringen können, wurden als konkrete Formen des Engagements genannt. Entscheidend sei nur, dass diese Angebote auch wahrgenommen würden, so der Relevanzreporter. Wer sich einmischt, so die Erfahrung, bekommt eine Reaktion und hilft dabei, dass Politik Probleme nicht nur verwaltet, sondern wirklich löst.

„Demokratie funktioniert nicht ohne Bürger:innen“

Der Abend mündete in einen klaren Appell: Demokratie ist kein Selbstläufer, sondern ein dauerhaft zu pflegendes Projekt, das sich nicht allein durch neue Regeln oder Reformen retten lässt. Entscheidend ist, dass Bürger:innen Verantwortung übernehmen, im direkten Gespräch, im Ehrenamt, in Parteien und lokalen Initiativen. Zivilcourage, Streitkultur und die Bereitschaft, Widerspruch auszuhalten, gelten als zentrale Voraussetzungen. „Wenn wir nichts tun, bekommen wir die Rechnung. Demokratie funktioniert nicht ohne Bürger:innen, erst ihr Engagement macht aus einem formalen System eine lebendige politische Kultur“, so Georg Escher.

Auch du kannst dich beteiligen, indem du Verantwortung übernimmst und mitgestaltest. Jede Stimme zählt, jede Entscheidung prägt unsere gemeinsame Zukunft. Nutze deine Chance und mach den Unterschied: Geh am Sonntag, den 8. März, in Nürnberg wählen – für eine starke, lebendige Demokratie.

Unsere vertiefenden Recherchen, Nachberichte und die Podcast-Folgen unserer Live-Events zur Kommunalwahl 2026 findest du unter:

https://relevanzreporter.de/kategorie/kommunalwahl2026/: „Mitreden: Ist Demokratie ein Auslaufmodell?“ – zwischen Zweifel, Kritik und Mut

Ein Abend, der nachklingt

Bertram und Nikola S. reisten extra aus Bamberg an. „Das Format ist toll, niederschwellig und mittendrin im Stadtleben. Es ist wichtig, den direkten Austausch zu suchen“, sagte Bertram S., Nikola S. fügte hinzu: „Der Abend hat gezeigt, wie vielschichtig das Thema Demokratie ist.“ Auch Lemia Y. aus Nürnberg zog ein positives Fazit: „Der Abend hat gezeigt, dass es noch so viele Themen zu besprechen gibt.“

Thomas GeigerLilien Wege spricht ins Mikrofon, steht in der Bar "Ludwigs" beim RR-Event "Mittendrin"

Thomas GeigerGäste sitzen am Tisch in der Bar "Ludwigs" beim Event "Mitreden" der RR

Thomas GeigerRelevanzreporter Georg Escher sitzt am Tisch, spricht ins Mikrofon beim Event "Mitreden" im "Ludwigs"

Thomas GeigerRelevanzreporter Georg Escher sitzt am Tisch, spricht ins Mikrofon beim Event "Mitreden" im "Ludwigs"

Thomas GeigerGäste sitzen am Tisch in der Bar "Ludwigs" beim Event "Mitreden"

Thomas GeigerRelevanzreporterin Lilien Wege hält Mikrofon, Mann spricht ins Mikrofon in der Bar "Ludwigs" beim Event "Mitreden"

Thomas GeigerRelevanzreporterin Lilien Wege hält Mikrofon, Mann spricht ins Mikrofon in der Bar "Ludwigs" beim Event "Mitreden"

Thomas GeigerMann spricht ins Mikrofon beim Event "Mitreden" in der Bar "Ludwigs", Relevanzreporterin Lilien Wege hält das Mikrofon

Thomas GeigerRelevanzreporterin Lilien Wege hält Mikrofon, Gast spricht ins Mikrofon, sitzt am Tisch, in der Bar "Ludwigs", beim Event "Mitreden"

Thomas GeigerRelevanzreporter Georg Escher spricht mit Gästin beim Event "Mittendrin" in der Bar "Ludwigs"

Thomas GeigerFrau steht an der Säule, Gespräch mit Lea Maria Kielmeier von den Relevanzreportern in der Bar "Ludwigs", Event "Mittendrin"

Thomas GeigerFlyer von Relevanzreporter auf dem Tisch in der Bar "Ludwigs" bei Event "Mittendrin"

Empfohlene Artikel aus dem Schwerpunkt:
Kommunalwahl 2026, Aus der Redaktion, Blick nach draußen

  • 1

    Stadtratswahl Nürnberg 2026: Das sind die gewählten Vertreter:innen für unsere Stadt

    Nürnberg hat gewählt. Die 70 Mitglieder des Stadtrates 2026 bis 2032 haben wir hier in einer Bildergalerie zusammengestellt.

    12. März 2026
  • 2
    Collage: Wahplakate zur Kommunalwahl 2026, Die Linke, CSU (mit Marcus König) und AfD (mit Waltraud Glombeck)

    Mehr Parteien, keine Mehrheit: Wie die Kommunalwahl 2026 Nürnbergs Stadtrat verändert

    Die CSU gewinnt, doch regieren wird trotzdem kompliziert. Die Kommunalwahl 2026 bringt mehr Parteien in den Stadtrat als je zuvor, verschiebt politische Kräfteverhältnisse und macht kleine Fraktionen plötzlich zu möglichen Mehrheitsbeschaffern. Was die Ergebnisse wirklich bedeuten und warum Nürnbergs Lokalpolitik künftig stärker von wechselnden Bündnissen geprägt sein könnte, fasst Lilien Wege zusammen.

    11. März 2026
  • 3
    Digital Waehlen

    U18-Wahl: So würden die Jungen in Nürnberg wählen

    Zwischen 16. und 27. Februar gaben bayernweit Kinder und Jugendliche bei der kommunalen U18-Wahl ihre Stimme ab. Lea Maria Kiehlmeier hat sich die Ergebnisse für Nürnberg angeschaut.

    11. März 2026

Die neuesten Artikel:

  • 1
    Auf der Straße, gegenüberliegende Straßenseite von Ladenlokal, Auto und Fahrradfahrer fahren vorbei

    Leerstand als Chance: Wie Nürnberg seine Innenstadt neu belebt

    Während Fürth’s Innenstadt boomt, verläuft der Wandel in Nürnberg noch zögerlich. Doch gerade im Leerstand steckt Potenzial: Hinter geschlossenen Türen wachsen neue Ideen und bringen Bewegung in die Innenstadt. Reporterin Verena Apreck zeigt, wo in Nürnberg bereits Aufbruch entsteht und wie andere Städte dem Leerstand erfolgreich begegnen.

    17. April 2026
  • 2
    Menschen stehen an einer Baustellen-Kreuzung und warten. Ein Mann drückt den Ampelknopf neben einem Schild: Fußgänger bitte drücken.

    Nürnbergs Baustellen ohne Chaos – ein digitaler Versuch

    Autos, Autos, Autos: Auf Nürnbergs Einfallstraßen steht der Verkehr oft still, vor allem, wenn Baustellen alles zusätzlich ausbremsen. Genau hier setzt die Stadt an: Mit digitalem Baustellenmanagement sollen Bauvorhaben künftig besser abgestimmt und Staus spürbar reduziert werden. Relevanzreporter Julian Hörndlein zeigt, wie realistisch der Ansatz ist und warum andere Städte bereits weiter sind.

    17. April 2026
  • 3
    Eine Straßenbahn fährt eine belebte Straße entlang. Im Hintergrund ist die Nürnberger Burg zu sehen.

    Versteckte Kosten, offene Vision – So teuer wird Nürnbergs Verkehrswende

    Bus und Bahn sollen in Nürnberg attraktiver werden. Doch für den weiteren Ausbau und Erhalt braucht es jede Menge Geld und eine klare Vision. Reporter Marc Schmidt schaut auf die Kosten und darauf, was Nürnberg von seinen Nachbarländern lernen kann.

    6. April 2026

Schreibe einen Kommentar zu "„Mitreden: Ist Demokratie ein Auslaufmodell?“ – zwischen Zweifel, Kritik und Mut"

Zum Kommentieren musst du angemeldet sein.