Kann Afrika unsere Energieprobleme lösen?

Veröffentlicht am 19. Juni 2022
Zuletzt aktualisiert am: 5. Juni 2024

Der brutale Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine wirbelt alles durcheinander. Die
Energiepreise schießen durch die Decke, Lebensmittel werden für viele unerschwinglich teuer, Europas gesamtes Energiekonzept steht in Frage. Und siehe da: Plötzlich wird auch Afrika wiederentdeckt: als möglicher Lieferant für Gas, Solarstrom und Wasserstoff. Klar wird aber auch: Etliche Probleme hätten sich vermeiden lassen, hätte man vor Jahren klüger und weniger kurzsichtig gehandelt.

So wie das Parabolrinnenkraftwerk in Kramer Junction im US-Bundesstaat Kalifornien könnte der künftige Solarpark in Tunesien aussehen. Foto: Bureau of Land Management (BLM)

Günter Gloser, einst Staatsminister der rot-grünen Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder, kann sich noch gut erinnern. Im Dezember 2010 war in Tunesien der Arabische Frühling ausgebrochen. Im Westen war das freudig aufgenommen und es war Hilfe versprochen worden. Von einem neuen Marshallplan war die Rede. Die 2008 gegründete Mittelmeerunion, ein Lieblingsprojekt des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, sollte endlich mit Leben gefüllt und auch das 2009 maßgeblich von deutschen Konzernen mitgegründete Solarprojekt Desertec energisch vorangetrieben werden. Doch darüber, wie rasch der Elan wieder zum Erliegen kam, war der SPD-Bundestagsabgeordnete „maßlos enttäuscht“. Plötzlich war weniger von den Chancen einen intensivierten Kooperation die Rede, sondern mehr von Flüchtlingsproblemen und den Gefahren fundamentalistischer Einflüsse.

Strategische Fehlentscheidung

Im Rückblick ist unübersehbar, dass damals Weichen falsch gestellt wurden. Anstatt die Chancen der Solarenergie, aber auch der Gasförderung in Nord- oder Westafrika ernsthaft auszuloten, begab man sich noch stärker in die Abhängigkeit von russischem Gas. Auch die

Direkt weiterlesen?
Erstelle Dir jetzt Deinen Zugang!

Hinter Relevanzreporter steht kein Medienkonzern oder Investor. Das gemeinnützige Magazin wird von, für und mit seinen Mitgliedern ermöglicht.

Wir sind unabhängig und werbefrei.

  • Georg Escher
    Autor:in Kolumnist für Außenpolitik & RR-Ausbildungsbetreuer

Empfohlene Artikel aus dem Schwerpunkt:
Blick nach draußen

  • 1
    Am 9. April 2003 wurde die mächtige Statue von Machthaber Saddam Hussein in Bagdad gestürzt. Doch mit dem militärischen Sieg war der Kampf längst nicht gewonnen. Im Gegenteil. Foto: Unknown U.S. military or Department of Defense employee

    Diese Aufrüstung ist ein Irrweg

    Es ist passiert. Die Nato-Staaten haben sich Donald Trump unterworfen. Die Allianz ist vorerst gerettet. Trotzdem, diese unfassbare Aufblähung der Militäretats ist ein Irrweg. Gewiss, Russlands brutaler Krieg gegen die Ukraine erfordert eine Reaktion, auch militärisch. Doch ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt unzweideutig: Die Versuche, solche Konflikte militärisch zu lösen, haben alles nur noch schlimmer gemacht. Zeit für…

    4. Juli 2025
  • 2
    Unmittelbar nach der Inauguration unterschrieb Donald Trump die ersten Dekrete. Foto: Office of Vice President JD Vance

    Trump hat zwei Jahre Zeit

    Eigentlich sträubt sich die Tastatur, schon wieder etwas zu schreiben über Donald Trump. Doch natürlich kommt man am 45. und jetzt auch 47. Präsidenten der USA nicht vorbei. In die Weltuntergangsstimmung, die nun große Teile der unserer Öffentlichkeit erfasst zu haben scheint, muss man allerdings nicht einstimmen. Wie die Zukunft aussieht, werden nicht nur eine Handvoll Hypermilliardäre entscheiden – falls…

    1. Februar 2025
  • 3
    Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt am 23. August 2024 in der Desert Diamond Arena in Glendale, Arizona. Foto: Gage Skidmore

    Es wird eine Zeit nach Trump geben

    Nicht nur in den USA sind viele Tränen geflossen, als der erneute Wahlsieg von Donald Trump feststand. Und doch gilt: Es wird eine Zeit nach dem 47. Präsidenten der USA geben. Auch wenn nur viele den Untergang der Welt befürchten, die wuchtigen Vorhersagen politischer Beobachter haben sich regelmäßig als falsch erwiesen. Deswegen bleibt es auch nach diesem Trump-Sieg richtig, nicht…

    9. November 2024

Die neuesten Artikel:

  • 1

    Technische Universität UTN: Wird Nürnberg endgültig zur Unistadt?

    Dass es den Stadtteil Lichtenreuth überhaupt gibt, ist vor allem einer Institution verdanken: der Technischen Universität Nürnberg (UTN), die derzeit auf dem Gelände entsteht. Als erste bayerische Universitätsgründung seit 1978 soll sie vor allem ein Leuchtturm für Künstliche Intelligenz sein. Was es mit dem Projekt auf sich hat, erklärt dir unser Wissenschafts-Redakteur Julian Hörndlein.

    5. Dezember 2025
  • 2
    Kommunalwahl 2026: Begrüßungsbild Mitmach-Aktion Fragen an die Lokalpolitiker:innen

    Große Mitmach-Aktion: Was genau möchtest Du von unseren Lokal-Politiker:innen wissen?

    Du hast Fragen an Nürnbergs Politiker:innen? Wir sorgen dafür, dass sie sie beantworten müssen. Sag uns jetzt, was Dich in Nürnberg wirklich bewegt, und wir legen Deine Frage den Spitzenkandidat:innen direkt vor – mach mit beim Rathausradar 2026 und reiche jetzt Deine Frage ein!

    28. November 2025
  • 3

    Lichtenreuth – Autoarmes Paradies mitten in Nürnberg?

    Wenig Autos, viele Radwege und ein groß angelegter Park für alle. Das sind die Versprechen des neuen Stadtteils Lichtenreuths. Doch was ist dran an diesem Wunschtraum und wo zeigen sich jetzt schon erste Schwächen? Unser Reporter Marc Schmidt hat sich das Mobilitätskonzept des neuen Stadtteils Lichtenreuth genauer angesehen.

    21. November 2025

Schreibe einen Kommentar zu "Kann Afrika unsere Energieprobleme lösen?"

Zum Kommentieren musst du angemeldet sein.