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Warum guter Journalismus Zeit braucht

Veröffentlicht am 5. Juni 2020
Zuletzt aktualisiert am: 30. Juli 2026

Hast Du schon mal „Activity“ gespielt? Das Gesellschaftsspiel der 1990er, bei dem man seinen Mitspieler:innen Begriffe erklären muss? Ein Heidenspaß für die anderen; super stressig für den/diejenige, die neben der Sanduhr erklären oder zeichnen muss. Insbesondere wenn (mangels Fähigkeiten oder Zeit) Details nicht so deutlich herausgearbeitet werden, wie es nötig wäre. Journalismus, der unter Zeitdruck entsteht, ist ähnlich.

Rund 2300 Menschen in Nürnberg sind wohnungslos. Von Notschlafstellen über die Wärmestube bis hin zur Hilfestelle für von Wohnungslosigkeit betreute Jugendliche in der Stadt: In Nürnberg gibt’s so einige Angebote. Behörden sagen dies, Initiativen das. Ein paar Pressemitteilungen, ein paar Anrufe. Thema erledigt.

So oder so ähnlich hätte ein flotter Beitrag über Euer Wunschthema der Woche „Obdachlosigkeit“ geklungen. Doch was ich bei dieser Recherche schnell merkte: Dieses Thema braucht mehr Zeit. Guter Journalismus braucht Zeit.

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Luft holen und die Perspektive überdenken

Fehlt die Zeit, kommt die Recherche von weiteren Meinungen zu oder Blickwinkeln auf ein Thema zu kurz. Ausgewogenheit, Richtigkeit und damit auch Glaubwürdigkeit leiden, wenn fürs Luftholen, Einordnen und/oder Hinterfragen keine Zeit mehr bleibt. Dabei sind es Journalist:innen, die mit ihrer Arbeit ein Bild der Realität zeichnen. Unter Zeitdruck wird das ein Zerrbild.

Viele bestehende Medien stecken in der Zwickmühle: Werbeeinnahmen brechen weg, sparen ist angesagt. Immer weniger Journalist:innen müssen immer mehr Arbeit leisten. Im Internet zählt für viele Medienhäuser zudem Schnelligkeit, um Meldungen vor der Konkurrenz veröffentlichen zu können. Das bringt Klicks, Leser:innen und diese wiederum

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  • Alexandra Haderlein
    Autor:in Gründerin, Geschäftsführerin, Redakteurin für Newsletter und Recherchen

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