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Kämmerer Thorsten Brehm über Nürnbergs Zukunft und Finanzen

Veröffentlicht am 11. Oktober 2024
Zuletzt aktualisiert am: 30. Juli 2026

Nürnberg schwimmt nicht gerade im Geld, eher im Gegenteil. Tatsächlich muss die Stadt sparen, wo immer es auch geht, aber gleichzeitig stehen große Investitionen an. Da könnte man schon streiten, was jetzt wirklich wichtig ist für die Bürger:innen der Stadt. Andrea Beck (Lokalpolitik-Redakteurin) und Lilien Wege (Chefredakteurin) haben den Herren der Finanzen, Kämmerer Thorsten Brehm (SPD), ins Studio Prinze eingeladen, um über die Zukunft der Stadt Nürnberg, über die aktuelle Lage und über mögliche Lösungen der finanziellen Misere zu sprechen.

Wir, das Team der Relevanzreporter, haben vor dem Interview im Studio Prinze noch Fragen an Dich und die Social Media Community gestellt, welche Projekte eingespart werden sollten. Ein Thema führte sofort unsere Top-Five-Liste an: der Frankenschnellweg. Logisch, dass wir dieses strittige Mobilitätsprojekt gleich dem Kämmerer Thorsten Brehm präsentieren. Wir haben mit ihm vor dem Interview gesprochen, dass wir im Podcast alle Gäste duzen. Damit war Thorsten Brehm einverstanden.

Andrea Beck: Warum kann der Frankenschnellweg nicht einfach gestrichen werden und man lässt dieses alte Projekt hinter sich?

Thorsten Brehm: Letztendlich haben wir dieses Jahr noch mal grünes Licht vom Gericht gekriegt. Es gibt jetzt noch mal eine Instanz, die das anders sehen kann, aber ansonsten ist jetzt juristisch eigentlich auch alles abgeräumt. Der Stadtrat hat sich noch mal mit übergroßer Mehrheit für dieses Projekt ausgesprochen, dass es realisieren will und deswegen verfolgen wir das jetzt innerhalb der Stadtverwaltung auch weiter. Aber klar, wir reden mittlerweile über ein Projekt, das aufgrund der Verzögerungen vor Gericht jedes Jahr auch teurer geworden ist: Wir reden über eine Milliarde Euro, die wir in den nächsten Jahren, über zehn Jahre in die Hand nehmen werden müssen.

Ich habe als Stadtkämmerer aber auch immer gesagt: Es wird überhaupt nur dann gehen, wenn das Wort des Ministerpräsidenten etwas gilt und der Freistaat sich mit 80 Prozent aller Kosten beteiligt. Sonst kommt es bei uns insgesamt absolut ins Rutschen.

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Im September 2024 hat die Stadt jetzt auch das ehemalige Kaufhaus an der Königstraße erworben. Es liegt, seitdem die Inhaber von Galeria Kaufhof insolvent gegangen sind, in einem Dornröschenschlaf. Nur nicht ganz so romantisch, mit Dornenhecken und Blüten, sondern zum Teil eingezäunt und als Müllsammelstelle im Herzen der Altstadt. Sogleich die Frage an den Stadtkämmerer, was soll jetzt damit passieren, wenn offensichtlich die Stadt kein Geld für neue Investitionen hat:

Lilien Wege: Jetzt hat die Stadt wieder ein neues Projekt und jetzt muss wieder investiert werden in irgendeine Sanierung. Dieses Objekt würde bei mir zum Beispiel auf der Wackelliste stehen, oder?

Thorsten Brehm: Jetzt habe ich schon bezahlt, jetzt ist die Entscheidung an der Stelle schon getroffen. Ich habe schon auch ein bisschen länger überlegen müssen, ob ich das unterstütze. Aber ich habe mich am Ende dann dafür entschieden, das zu tun, weil die Stadträtinnen und Stadträte an der Stelle Wert darauf gelegt haben, dass wir in der Innenstadtentwicklung, da in eine proaktive Rolle gehen.

Wenn man durch die breite Gasse schlendert, der sieht ja, wie sich der Einzelhandel dort entwickelt hat und ist das alles nicht mehr so schön ausschaut, wie das noch vor ein paar Jahren der Fall war, um das mal ein bisschen milde auszudrücken. Dem wollen und müssen wir als Stadt auch gegensteuern.

Der Kaufhof ist einer der prominentesten Immobilien, die wir in dem Bereich haben. Das Umfeld ist jetzt in dieser Übergangsphase auch ein bisschen verlottert. Die Scheiben waren verklebt, es ist dreckig gewesen. Wir sind nicht ins Gebäude hereingekommen und das wollten wir jetzt einfach abstellen. Wir wollen wieder Leben hereinbringen, auch mit Zwischennutzungsideen, und ich denke, das schaffen wir jetzt so auch.

Aber der Kompromiss war auch: Es ist inzwischen Erwerb. Wir wollen nichts selber entwickeln, sondern wir suchen jetzt Ankermieter, die sich vorstellen können, mit ihren Ideen und Konzepten da hineinzugehen. Es wäre mein Wunsch, dass wir das Gebäude auch baldmöglichst wieder verkaufen, damit wir das Geld wieder haben.

Welche Antworten Thorsten Brehm zu weiteren Baustellen der Stadt wie dem Opernhaus oder dem Volksbad gegeben hat, wie Nürnberg seinen Schuldenberg im Zaum halten möchte und wie die Stadt sich zukünftig aufstellen will bei all den Herausforderungen einer Großstadt, hörst Du hier in der neuen Podcast-Folge von „Nürnberg morgen“.

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