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Energiewende: Wer stillt Nürnbergs Hunger nach Strom?

Von: Peter Romir

Lesezeit: 5 Minuten

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Schon wieder Energiewende! Es ist noch nicht mal 20.000 Jahre her, dass die Menschen ihre Energieversorgung grundlegend umstellten. Damals wurden sie von wandernden Jäger:innen, die mitnahmen was sie kriegen konnten, zu sesshaften Produzent:innen mit Ackerland und Tierbestand. Diese Wende war sehr umstritten - hat sich dennoch bewährt. Nun steht die Menschheit vor einer ähnlichen Umwälzung: Kann das klappen? Unser Reporter Peter Romir liefert eine Antwort.

Weg von der umweltschädlichen Energieerzeugung. Weg von ungerechter Verteilung. Hin zu nachhaltigen Techniken. Hin zu einer regionalen Produktion. Hin zu einer Orientierung am Gemeinwohl.

Eine Revolution braucht Geduld. Seit genau 500 Tagen sitzen Markus Feuerlein und  seine Mitstreiter:innen im Klima Camp unweit des Nürnberger Rathauses auf dem Sebalder Platz. Sie diskutieren mit Passant:innen darüber, ob der Klimawandel wirklich so schlimm ist.

Markus Feuerlein und seine Mitstreiter im Klimacamp auf dem Sebalder Platz neben dem Historischen Rathaus in Nürnberg harren bei Wind und Wetter - und auch Minusgraden aus, um auf die Klimakrise hinzuweisen und ihren Forderungen so Nachdruck zu verleihen. - Foto: Peter Romir

„Anderthalb Jahre, in denen wir zahlreiche gute Gespräche geführt und viel Zuspruch erfahren haben – aber auch sehr oft beschimpft und bespuckt wurden“, erzählt Feuerlein. „Viele Menschen haben Angst, dass wir ihnen etwas 'wegnehmen' wollen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Wir wollen ihnen neue Perspektiven schenken.“

Die Klimaaktivist:innen kritisieren nicht die einzelnen Menschen, sondern das System: „Wir haben unsere Gesellschaft auf Konkurrenz aufgebaut. Für jedes Bedürfnis haben wir hundert Firmen, die um die Wette Produkte produzieren. Das erzeugt unnötigen Energiehunger und Ressourcenverschwendung.“

Flucht in...

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3 Kommentare

  1. Es ist wahrscheinlich schwer, 80 Prozent der Bevölkerung dazu zu bringen, freudig zu akzeptieren, dass alles, insbesondere Energie, Kraftstoff etc., teuerer wird, bei seit Jahrzehnten sinkenden Reallöhnen in einem Großteil der Mittelschicht (siehe Gelbwesten in Fr) bzw. anders herum, den Menschen (ordnungsrechtlich) zu sagen, dass sie sich einschränken sollen, solange Konsum (inkl. Energieverbrauch) eine “Sucht” (die natürlich Ziel einer neoliberalen Marktwirtschaft bzw. einer Konsumgesellschaft a la “Du sollst kaufen” – höre Werbung) erfüllt.
    “Weniger ist auch fein” bzw. “andere Dinge des Lebens erfüllen mich innerlich viel mehr” wäre doch eine tolle Vision.

    Insofern stoßen hier technokratische Horrorszenarien, die laut dem Energiewendebündnis Nürnberg auch noch überzogen sind, auf einen notwendigen kulturellen Wandel nach dem “idealerweise” das Narrativ des zunehmend automatisierten Hochindustrielands (Wirtschaft 4.0 & Co) mit immer weniger gut bezahlten Jobs für viele (bei gleichzeitig wachsender Wirtschaft = zunehmender Ressourcenverbauch) seinen Reiz verloren hat und eine Postwachstumsgesellschaft mit weniger sozialer Ungerechtigkeit (= z.B. Abbau von Energiearmut) und vielen glücklichen, zufriedenen und konsumkritischen Menschen entstehen kann.

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    Was also tun? „Wir sollten erst mal innehalten und der Bevölkerung die Wahrheit sagen“, meint Kleedörfer. „Dann braucht es eine gemeinsame Anstrengung von Bund, Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen, um die Modernisierung möglich zu machen. Wenn etwa 80 Prozent der Bevölkerung mitmachen, kann die Reise losgehen.“ Und wo geht sie hin?

    • Mir hat dazu eine Aussage vom Klimacamp gefallen, die ich leider an keiner sinnvollen Stelle im Text unterbringen konnte: “WIr wollen ja nicht den Kapitalismus abschaffen – aber helfen würde es schon”. Ob das neoliberale System reformierbar ist oder ob es erst eine (wie auch immer geartete Art) von Kollaps braucht, damit wir zu menschenfreundlichen Lebensweisen kommen, wird sehr spannend werden.

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