Cyrus Samimi

Professor für Klimatologie, Universität Bayreuth

Stadtklima im Klimawandel und Klimaanpassung

Klimawandel und Auswirkungen auf Städte in Mitteleuropa und Nürnberg

  • Globale Erwärmung wird nicht bei 1,5 °C gestoppt; es wäre physikalisch noch möglich, aber gesellschaftspolitisch sieht es nicht danach aus.
  • Alle Anstrengung muss daher darauf ausgerichtet werden, die globale Erwärmung auf maximal 2 °C zu begrenzen; gegenwärtig sind wir auf einem Pfad, der eher bei 3-4 °C liegt.
  • 2 °C ist der Wert für die gesamte Erde, wobei sich Landflächen deutlich stärker erwärmen, v.a. auf der Nordhalbkugel; Europa ist dabei ein Hotspot des Klimawandels.
  • In Deutschland liegen wir mit ca. 1,7 °C Erwärmung deutlich über dem globalen Trend von ca. 1,1 °C; die letzten Jahre waren teilweise 2 °C wärmer.
  • Szenarien gehen für Deutschland von einer weiteren Erwärmung von ca. 1 °C für die Spanne 2040-2070 aus, bezogen auf heute.
  • Es ist davon auszugehen, dass bei einer weiteren Erwärmung auch im Großraum Nürnberg Temperaturen von über 40 °C erreicht werden; in anderen Regionen Deutschlands gab es inzwischen mehrfach Temperaturen über 40 °C.
  • Städte weisen in verdichteten Stadtvierteln aufgrund des städtischen Wärmeinseleffekts deutlich höhere Temperaturen als das Umland auf; der Unterschied kann teilweise mehr als 5 °C sein.
  • Bei Temperaturen über 40 °C könnten in Städten somit über 45 °C erreicht werden, im Schatten, was in der Sonne durchaus über 50 °C sein können.
    • Während Hitzeperioden heizen sich Städte auf, da die Wärme in den Städten gefangen bleibt; dadurch kühlen die Nächte wenig ab, was zu sehr hohen Nachtemperaturen führen kann; ab ca. 20 °C wird der Schlaf weniger erholsam.
    • Gründe für den Stadtklimaeffekt sind die hohe Versiegelung, die dichte Bebauungsstruktur, das Fehlen von Kaltluftschneisen und wenig Vegetation.
Cyrus Samimi – Foto: Thomas Geiger

Klimaanpassung in Nürnberg

  • Um eine weitere Erwärmung zu verringern, müssen die Treibhausgasemissionen drastisch gesenkt werden.
  • Dazu muss auch Deutschland wegen der historischen Emissionen und der im Vergleich zu vielen Ländern immer noch viel zu hohen Emissionen einen Beitrag leisten.
  • Dies muss auf allen Ebenen passieren, privat, kommunal (Nürnberg), regional und national.
  • Da die Erwärmung auch bei drastischer Reduktion der Emissionen erstmal weiter geht, muss neben der Mitigation auch die Anpassung an den Klimawandel schnell erfolgen.
  • Reduktion der Emissionen muss durch eine Mobilitätswende mit dem Ausbau und besseren Angebot des öffentlichen Verkehrs, durch Umstieg auf regenerative Energie in allen Bereichen und insgesamt einer Verringerung des Energieverbrauchs erfolgen.
  • Der Großraum Nürnberg weist nur geringe Reliefunterschiede auf, sodass es kaum möglich ist, Kaltluft in die Stadt zu bringen; zudem verhindert die dichte Bebauung die Anlage von Kaltluftschneisen; auch die Pegnitzaue wirkt nur wenig in die benachbarten Stadtviertel, da sie deutlich tiefer liegt als diese (schwerere kalte Luft fließt nach unten); bestehende Schneisen sind aber unbedingt offen zu halten.
  • Die Reduktion des städtischen Wärmeinseleffekts muss in den bebauten Vierteln selbst erfolgen:
  • möglichst starke Entsiegelung, Stichwort Schwammstadt; durch die Verdunstung der Feuchte aus dem Boden reduziert sich die fühlbare Wärme; gleichzeitig reduziert sich bei zu erwartender Zunahme von Starkregenereignissen die Überschwemmungsgefahr; Wasserversorgung von Stadtbäumen wird verbessert.
  • Dafür muss auch der ruhende Verkehr deutlich reduziert werden; e-Autos in gleicher Zahl sind keine Lösung; muss städtisches Grün massiv zunehmen, v.a. auch Bäume, die Schatten bieten.
  • Wenn Platz für Leben im städtischen Raum geschaffen wird, dürfte sich das Leben in den warmen Monaten am Abend zunehmend nach außen verlagern, raus aus überwärmten Wohnung.
  • Fassadenbegrünungen führen auch zur Minderung der Überwärmung, wie auch Gründächer; da diese auch potentielle Standorte für Solaranlagen sind, braucht es kreative Lösung.