Ein Bürger:innenrat für Nürnberg – mehr als nur Partizipation?

Veröffentlicht am 24. September 2022
Zuletzt aktualisiert am: 5. Juni 2024

Stell Dir vor, der Oberbürgermeister oder die Stadträtin hören Dir zu, was Du zu einem Thema zu sagen hast. Oder Du empfiehlst, wie viel Geld tatsächlich für eine nachhaltige Stadtverwaltung ausgegeben werden kann. Woher Du die Vorschläge hast? Durch mehrere Diskussionen bist Du in einem sogenannten Bürger:innenrat zu diesem konstruktiven Ergebnis gekommen und kannst sie nun dem Nürnberger Stadtrat präsentieren. Wunschgedanke? Vielleicht nicht mehr lange. Denn in Nürnberg soll ein Bürger:innenrat entstehen. Wie er funktioniert und welche Herausforderungen es gibt, erfährst Du von Redakteurin Lilien Wege. Und sie vergleicht unsere Region mit anderen Städten in Deutschland und Europa, wo…

Der krönende Abschluss wochenlanger Arbeit ist eine fertig ausgearbeitete Empfehlung des Bürger:innenrates, die dem Stadtrat übergeben wird. Mitten in Nürnberg könnte das so aussehen: Ein Nachmittagstermin im alten Rathaus, die Referent:innen vom Umwelt- und Wirtschaftsresort stehen schon im großen Sitzungssaal. Gespannt blicken sie auf den Bericht – ein mehrere Seiten ausgearbeitetes Dokument, mit zahlreiche Analysen, Grafiken zur Veranschaulichung, Kommentaren von Expert:innen und schließlich auch einem Schlusswort mit einer klaren Empfehlung. Was dann mit diesem Dokument passiert, ob die Empfehlung umgesetzt wird oder sich andere politische Möglichkeiten daraus ableiten lassen, entscheidet dann doch noch der Stadtrat. So sieht das Szenario im Idealfall aus.

Irland macht es seit Jahren

In Irland ist das schon Realität: 2016 wurde der repräsentative Bürger:innenrat, Citizens’ Assembly, ins Leben gerufen. Er wurde vom irischen Parlament beauftragt, dass sich zufällig ausgewählte Bürger:innen intensiv mit einem Thema auseinandersetzen sollten, darüber abstimmen und am Schluss eine Empfehlung aussprechen, die dem Parlament in Dublin vorgelegt werden soll – partizipative Demokratie also.

An fünf Wochenenden von Oktober 2016 bis April 2017 debattierten schließlich in einem Hotel 99 zufällig ausgewählte Personen über das

Direkt weiterlesen?
Erstelle Dir jetzt Deinen Zugang!

Hinter Relevanzreporter steht kein Medienkonzern oder Investor. Das gemeinnützige Magazin wird von, für und mit seinen Mitgliedern ermöglicht.

Wir sind unabhängig und werbefrei.

  • Lilien Wege geb. Zeljko
    Autor:in Chefredakteurin, Reporterin für Newsletter, Social Media und journalistische Veranstaltungen

Empfohlene Artikel aus dem Schwerpunkt:
Stadt der Zukunft

  • 1
    Gruppe von Menschen in der Eingangshalle des Volksbades Nürnberg, hören Christian Vogel zu, er steht auf Treppenaufgang. Wände behangen mit Bauplanen

    Vom Denkmal zum Begegnungsort: Das Volksbad vor der Wiedereröffnung

    Jahrelang Baustelle, steigende Kosten, große Erwartungen: Anfang 2027 soll das Nürnberger Volksbad wieder öffnen. Reporterin Verena Apreck hat sich in ihrer Recherche gefragt, warum sich die Sanierung verzögert, teurer wird als geplant und welchen Mehrwert das neue NürnbergBad für die Stadt haben soll.

    12. Juni 2026
  • 2
    Buchhandlung in einer ehemaligen Dominikanerkirche im Zentrum von Maastricht "Boekhandel Dominicanen", Menschen schauen sich Bücher an.

    Wie steht es um die Zukunft unserer Kirchen?

    Punkt 21 Uhr läuten in Nürnberg die Glocken von St. Sebald, St. Lorenz oder St. Peter. Für viele Menschen gehört der Klang selbstverständlich zur Stadt, genauso wie die Kirchen selbst. Doch hinter den historischen Mauern wächst der Druck: Gemeinden verlieren Mitglieder, Kirchen werden zu teuer und manche Gebäude stehen vor einer ungewissen Zukunft. Es kann aber auch anders gehen, hat…

    29. Mai 2026
  • 3
    Ein Gehweg geteilt für Radfahrer, Fußgänger, Elektroscooter, Lieferrad. Daneben die Fahrbahn mit LKW und PKWs im dichten Verkehr

    Nürnbergs Radverkehr zwischen großer Vision und harter Realität

    Radfahren ist nicht nur eine günstige, sondern auch klimafreundliche Alternative zum Auto. Kein Wunder also, dass eine Großstadt wie Nürnberg den Drahtesel fördern möchte. Die Politik hat sich dafür große Pläne gesetzt. Unser Reporter Marc Schmidt wirft einen Blick darauf, was aktuell gut läuft und wo Nürnberg noch dringend nachbessern muss.

    15. Mai 2026

Die neuesten Artikel:

  • 1

    Musikförderung in Nürnberg: Wer hilft wie und was fehlt noch?

    Mit der MUZ und Pop Rot Weiss hat die Region Nürnberg zwei Förderinstitutionen, die bundesweit als Vorbild gelten. Ein Blick darauf, was sie leisten und was noch fehlt.

    12. Juni 2026
  • 2
    Reporterin Lea Maria Kiehlmeier und Sängerin Vronsy führen ihr Interview für den Podcast "Nürnberg morgen" im Hummelsteiner Park.

    Neue Podcast-Folge: Im Gespräch mit Vronsy über Nürnbergs Musikszene

    Vronsy hat fast alle Möglichkeiten genutzt, die Nürnberg Musiker:innen bietet. Ein Gespräch über die lokale Musikszene, Förderstrukturen, die viel leisten, aber nicht alles können, und was sich ändern müsste.

    12. Juni 2026
  • 3
    Ohm-Forscher Fabian Sturm mit VR-Brille in der Ohm Innovation Factory

    Warum die Zukunft der Nürnberger Wirtschaft in der Energiebranche liegen könnte

    Wegen der schwächelnden Automobilindustrie sucht die Bundesrepublik nach der nächsten großen Zukunftsindustrie. In Nürnberg zeigen die Energieregion, der Energiecampus und der Nkubator seit vielen Jahren, welche Rolle die Energiewirtschaft dabei spielen könnte. Julian Hörndlein hat sich hinter die Kulissen eines zukunftsträchtigen Innovationsökosystems begeben.

    12. Juni 2026

Schreibe einen Kommentar zu "Ein Bürger:innenrat für Nürnberg – mehr als nur Partizipation?"

Zum Kommentieren musst du angemeldet sein.