Britta Walthelm

Referentin für Umwelt und Gesundheit, Stadt Nürnberg

Ziele der Stadtverwaltung bis 2035

Klimaschutz: 

Es gibt das Ziel 2035 für die Stadtverwaltung (2040 für die Gesamtstadt unter Einhaltung des Restbudgets) wir haben einen Startbilanz erstellt und werden im Sommer ein Maßnahmenkonzept in den Stadtrat einbringen. 

Im Rahmen der Energiekrise wurde ein Sonderprogramm von 5 Mio. Für Energieeffizienzmaßnahmen in der Stadtverwaltung aufgelegt. Z.B. wurde die Umstellung der Straßenbeleuchtung beschleunigt. 

Die Stadt hat außerdem umfangreiche Sparmaßnahmen aufgelegt und das Ziel 20% Einsparung so weit wir bisher wissen erreicht. 

Im Rahmen der PV-Strategie für städtische Dächer sollen bis 2035 auf stadteigenen Objekten PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 17.000 Kilowattpeak installiert werden. 

Für die städtischen Eigenbetriebe gilt die Zielstellung ebenfalls, die Umsetzung ist unterschiedlich schwierig. 

Sehr viel realisiert wird hier bereits Fotovoltaik. 

Die von meinem Sitznachbar in der Diskussion getätigte Aussage, die Messe habe keine PV, ist grob falsch. Es wird eine Anlage von 20MWp entstehen. 

Große Anlagen gibt es auch am Flughafen (Parkdecks) sowie am Großmarkt. Auch die Kongresshalle ist übrigens belegt. 

Was allgemein für alle Akteure schwierig ist, sind die Einspeisevergütungen, die eine Einspeisung unwirtschaftlich macht, so wird im Moment eher der Eigenverbrauch realisiert und angesichts rechtlicher Hürden wird noch zu wenig in Energieverbünden gedacht. 

Eine Riesenbaustelle (im wahrsten Sinne des Wortes) ist die De-Fossilisierung der Wärme. Hier setzten wir gerade mit der N-ERGIE eine neue Wärmenutzungsplanung auf. Kernstück in den dicht bebauten Stadtteilen wird der Fernwärmeausbau sein, in anderen Bereichen werden Wärmepumpen wichtig sein. Hier gilt es, sich trotz allem ein wenig Zeit für eine gute Planung zu nehmen, um möglichst effiziente Strukturen zu schaffen. 

Nächstes Jahr wird es einen großen Beteiligungsprozess zu einem neuen integrierten Klimaschutzkonzept geben. 

Britta Walthelm – Foto: Thomas Geiger

Grün: 

Die Stadt Nürnberg macht im Rahmen der Bauleitplanung Vorgaben zur Begrünung von Grundstücken und Dächern. 

Für eine Photovoltaikpflicht (außer im Bereich Gewerbe) gibt es in Bayern keine sichere Rechtsgrundlage. 

Hier wird der „Klimabaukasten Bauleitplanung“ angewandt, ein Leitfaden mit dem die Verwaltung systematisch Klimaschutzelemente in der Planung abarbeitet 

Für Vorhaben außerhalb von B-Plänen (z.B. beim Schließen von Baulücken) gibt es seit letztem Sommer eine Begrünungssatzung, die Vorgaben zu u.a. Baumpflanzungen, Dach- und Fassadenbegrünung macht und Schottergärten verbietet. 

Die Stadt hat außerdem Förderprogramme zur Stärkung des privaten Engagements für mehr Grün sowie Baumpflanzungen in Privatgärten.

Für unseren „Masterplan Freiraum“, der Grün in der Stadt übergeordnet plant und Projekte umsetzt, planen wir in der mittelfristigen Finanzplanung mit 100 Mio. 

Die Mittel für Pflanzungen und Erhalt von Straßenbäumen wurde in den letzten Jahren stark erhöht, allein für BaumBewässerung wurden letztes Jahr 5Mio ausgegeben. 

Wasser/Schwammstadt: 

Wir haben schon seit 2016 einen Leitfaden für effizientes Regenwassermanagement und updaten gerade unsere Planungsstrukturen in der Verwaltung. 

In Langwasser gibt es z.B. ein ökologisch gestaltetes Regenrückhaltebecken. 

Es gilt das Prinzip, dass Grundstücke vor Ort entwässert werden müssen. 

Trotz des Stadtwachstums in den letzten Jahren hat sich die „Anschlussleistung“ an die städtische Kanalisation nicht erhöht. 

Die Krux bei der Schwammstadt ist, dass man von Anfang an „3D“ planen muss, die Flächenprofile sind entscheidend für Versickerung und Co. 

 Realisiert  wird die Schwammstadt in den neuen Planungen z.B. in Wetzendorf sowie im Bestand z.B. für die Umgestaltung des Obstmarkts. 

Bei letzterem muss der Untergrund sehr aufwändig umgestaltet werden, es werden für Bäume Leitungen im Boden umverlegt und unterirdische Wasserspeicher (Rigolen) angelegt. 

Der Nelson-Mandela-Platz hat z.B. einen unterirdische Rasenbewässerung. 

Verkehr: 

Hier ist auf den Mobilitätsbeschluss zu verweisen. Der Anteil des Umweltverbunds am Modal Split soll bis 2030 auf rund 68% erhöht werden.

Hierzu gibt es verschiedene Maßnahmenpakte, die u.a. enthalten: 

– Ausbau von Fahrradstraßen und Radvorrangouten

– Beschleunigung des ÖPNV durch Kapazitätserweiterung, z.b: Verstärkerlinien, 5-Minuten-Takt 

Allgemeine Bemerkung dazu: Die Verkehrsprobleme mit dem MIV entstehen in Nürnberg zum allergrößten Anteil durch (Berufs-)Einpendlerinnen. Hier nimmt die Stadt in jetzt ja auch Haupteinfallsstraßen in Angriff (Bayreuther Straße, Ostendstraße)

Es ist aber im Detail nicht ganz einfach, denn der Verkehr soll sich ja nicht auf Schleichwege und/oder in Wohngebiete verlagern. Wichtig ist daher, dass der Ausbau des ÖPNV parallel läuft, dann funktioniert es auch. 

Die Linie 4 Am Wegfeld boomt z.B. und auch der bessere RE und S-Bahn Takt in Richtung Roth zeigt Wirkung. Insgesamt sind wir im Bereich S-Bahn leider komplett abhängig von der Bahn – wir hätten gerne viel mehr und besser Verbindungen ins Umland.