Reise ins Kriegsgebiet: So ist die Lage in der Ukraine

Veröffentlicht am 6. Oktober 2023
Zuletzt aktualisiert am: 5. Juni 2024

Wenn nachts Luftalarm ist und man nicht weiß, wo man hinsoll: Unser Redakteur Philipp Demling ist durch die Ukraine gereist. Er war schon mehrfach in dem kriegsgeschundenen Land und wollte wissen, wie es seinen Freunden dort geht. Während seiner Reise hat er Raketen einschlagen gehört, zerstörte russische Panzer gesehen und schockierenden Geschichten aus den russisch besetzten Gebieten gelauscht.

Warum verbringt jemand seinen zweiwöchigen Sommerurlaub ausgerechnet in einem Kriegsgebiet? Ich war im August 2023 in der Ukraine, nämlich in Lwiw, Kyjiw und Odessa.

Diese Reise hatte ich mir schon lange vorgenommen. Grund dafür ist mein inniges Verhältnis zur Ukraine. Ich habe viele ukrainische Freunde und Bekannte. Mein Slavistik-Studium habe ich 2005 aus Interesse an Russland begonnen, heute ist mir die Ukraine viel näher. Russlands Totalangriff im Februar 2022 hat mich schockiert und empört.

Die Stationen der Reise: Przemyśl (Polen), Lwiw, Kyjiw, Odessa (Ukraine), Chișinău (Republik Moldau). Grafik: Anett Hentschel

Es war meine fünfte Reise in die Ukraine und die erste seit 2020. Ich wollte Freunde wieder treffen, neue Leute kennenlernen und erfahren, wie die Stimmung im Land ist. Zuvor musste ich meinem Sohn versprechen, nicht in die gefährlichsten Regionen zu fahren.

Die Anreise ist umständlich, denn Flüge in die Ukraine gibt es derzeit nicht. Gut, dass ich lange Zugfahrten mag und immer dicke Bücher mitnehme. Ich fahre über Erfurt, Leipzig, Dresden und den kompletten Süden Polens zunächst nach Przemyśl an der polnisch-ukrainischen Grenze. Reisezeit: fast 15 Stunden, fünfmal umsteigen. Seit meiner Polenreise im Sommer 2021 weiß ich, dass Bahnfahren dort bequem und preiswert ist.

Direkt weiterlesen?
Erstelle Dir jetzt Deinen Zugang!

Hinter Relevanzreporter steht kein Medienkonzern oder Investor. Das gemeinnützige Magazin wird von, für und mit seinen Mitgliedern ermöglicht.

Wir sind unabhängig und werbefrei.

  • Philipp Demling
    Autor:in Reporter für Mobilität und Gesellschaft sowie Podcaster

Empfohlene Artikel aus dem Schwerpunkt:
Blick nach draußen

  • 1
    Weltkarte der Rangliste der Pressefreiheit 2026 von Reporter ohne Grenzen. Grafik: Reporter ohne Grenzen

    Freie Medien sterben durch Zermürbung

    Gab es in der jüngeren Geschichte je ein Jahr, in dem die Pressefreiheit mehr unter Druck stand? Vermutlich nicht. Freie Medien sterben in Demokratien allerdings nicht mehr an Verboten, werden nicht von Zensur erstickt. Sie sterben daran, dass man sie finanziell stranguliert und gesellschaftlich verächtlich macht – bis sie sich selbst nicht mehr tragen können. Die Bilanz zum Internationen Tag…

    1. Mai 2026
  • 2
    RR-Veranstaltung Mitreden, Georg Escher sitzt am Tisch, in der Bar Ludwigs, Gäste hören zu.

    „Mitreden: Ist Demokratie ein Auslaufmodell?“ – zwischen Zweifel, Kritik und Mut

    Beim Diskussionsabend zur Zukunft der Demokratie sind Sorgen, Analysen und Hoffnungen aufeinandergetroffen. Wie stark treibt Social Media die Demokratiekrise voran und wie lässt sich verlorenes Vertrauen durch Bürgerengagement stärken? Im Gespräch zwischen dem Außenpolitik-Experten und Relevanzreporter Georg Escher und dem Publikum wurde deutlich, dass demokratische Kultur dort entsteht, wo sich Menschen aktiv einmischen und den Raum für Debatte nicht allein…

    6. März 2026
  • 3
    Am 9. April 2003 wurde die mächtige Statue von Machthaber Saddam Hussein in Bagdad gestürzt. Doch mit dem militärischen Sieg war der Kampf längst nicht gewonnen. Im Gegenteil. Foto: Unknown U.S. military or Department of Defense employee

    Diese Aufrüstung ist ein Irrweg

    Es ist passiert. Die Nato-Staaten haben sich Donald Trump unterworfen. Die Allianz ist vorerst gerettet. Trotzdem, diese unfassbare Aufblähung der Militäretats ist ein Irrweg. Gewiss, Russlands brutaler Krieg gegen die Ukraine erfordert eine Reaktion, auch militärisch. Doch ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt unzweideutig: Die Versuche, solche Konflikte militärisch zu lösen, haben alles nur noch schlimmer gemacht. Zeit für…

    4. Juli 2025

Die neuesten Artikel:

  • 1
    Die größten Investitionen der Stadt Nürnberg im Haushalt 2026 entfallen auf wenige zentrale Aufgabenbereiche. Gleichzeitig muss die Stadt ihre laufenden Ausgaben dauerhaft um rund 80 Millionen Euro senken.

    80 Millionen Euro weniger: Was Nürnbergs Sparkurs bedeutet

    Nürnberg muss in den kommenden Jahren dauerhaft rund 80 Millionen Euro einsparen. Große Bauprojekte wie der Frankenschnellweg oder der Stadionumbau sind davon erstmal nicht betroffen. Gespart werden muss bei den sogenannten konsumtiven Ausgaben – also den laufenden Kosten der Stadt für Personal, Sozialleistungen und den Betrieb ihrer Einrichtungen. Doch welche Bereiche könnten konkret betroffen sein?

    10. Juli 2026
  • 2

    Wie steht es um die Nürnberger Brauereien?

    Nürnberger Bier gehört zur Stadt wie die Rostbratwurst oder das Schäuferla. Aber wie zukunftsfest ist eine Branche, die sich Nürnberg seit Jahrhunderten prägt? Unser Reporter Julian Hörndlein hat sich bei den Brauereien umgehört und erfahren, wie Tradition und Regionalität zum Schlüssel für die Herausforderungen der Gegenwart werden.

    10. Juli 2026
  • 3
    Im Max-Morlock Stadion Nürnberg stimmen sich die Fans mit ihrer Choreo auf das Spiel ein. Hier Schalke 04 zu Gast im blauen Block rechts, Oberrang, Fahnenträger auf dem Spielfeld.

    Nürnbergs neues Stadion nimmt Gestalt an

    50.000 Plätze, eine neue Nordkurve und mehr Platz für Fans: Nürnberg hat erstmals einen konkreten Entwurf für ein neues Max-Morlock-Stadion vorgestellt. Doch am 22. Juli entscheidet der Stadtrat noch nicht über den Bau. Warum das Projekt trotzdem an einem Wendepunkt steht und welche großen Fragen noch offen sind, erklärt Lilien Wege.

    3. Juli 2026

Schreibe einen Kommentar zu "Reise ins Kriegsgebiet: So ist die Lage in der Ukraine"

Zum Kommentieren musst du angemeldet sein.