Wenn nachts Luftalarm ist und man nicht weiß, wo man hinsoll: Unser Redakteur Philipp Demling ist durch die Ukraine gereist. Er war schon mehrfach in dem kriegsgeschundenen Land und wollte wissen, wie es seinen Freunden dort geht. Während seiner Reise hat er Raketen einschlagen gehört, zerstörte russische Panzer gesehen und schockierenden Geschichten aus den russisch besetzten Gebieten gelauscht.
Warum verbringt jemand seinen zweiwöchigen Sommerurlaub ausgerechnet in einem Kriegsgebiet? Ich war im August 2023 in der Ukraine, nämlich in Lwiw, Kyjiw und Odessa.
Diese Reise hatte ich mir schon lange vorgenommen. Grund dafür ist mein inniges Verhältnis zur Ukraine. Ich habe viele ukrainische Freunde und Bekannte. Mein Slavistik-Studium habe ich 2005 aus Interesse an Russland begonnen, heute ist mir die Ukraine viel näher. Russlands Totalangriff im Februar 2022 hat mich schockiert und empört.
Die Stationen der Reise: Przemyśl (Polen), Lwiw, Kyjiw, Odessa (Ukraine), Chișinău (Republik Moldau). Grafik: Anett Hentschel
Es war meine fünfte Reise in die Ukraine und die erste seit 2020. Ich wollte Freunde wieder treffen, neue Leute kennenlernen und erfahren, wie die Stimmung im Land ist. Zuvor musste ich meinem Sohn versprechen, nicht in die gefährlichsten Regionen zu fahren.
Die Anreise ist umständlich, denn Flüge in die Ukraine gibt es derzeit nicht. Gut, dass ich lange Zugfahrten mag und immer dicke Bücher mitnehme. Ich fahre über Erfurt, Leipzig, Dresden und den kompletten Süden Polens zunächst nach Przemyśl an der polnisch-ukrainischen Grenze. Reisezeit: fast 15 Stunden, fünfmal umsteigen. Seit meiner Polenreise im Sommer 2021 weiß ich, dass Bahnfahren dort bequem und preiswert ist.
Przemyśl im äußersten Südosten Polens ist eine hübsche
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