365 Euro-Ticket: Warum ein Scheitern des Bürgerbegehrens trotzdem gut ist

Veröffentlicht am 13. Juli 2022
Zuletzt aktualisiert am: 5. Juni 2024

Jeder soll in Nürnberg den öffentlichen Nahverkehr nutzen können für nur einen Euro am Tag, so die Plakataktion von 2019. Das war die Geburtsstunde des 365 Euro-Tickets für Alle für Nürnberg, ausgerufen von der Partei Die Linke, die ein günstiges Ticketsystem für den öffentlichen Nahverkehr fordert und dafür auf das Mittel der direkten Demokratie zurückgreift. Ein Bürgerbegehren soll den Stadtrat dazu bewegen, die dringend benötigte Mobilitätswende in der Region weiter voranzutreiben und ein sozialeres Fahrpreissystem in Nürnberg zu etablieren. Das große Vorbild ist die Österreichische Hauptstadt Wien. Seit 2012 fahren die Bürger:innen Bus und Bahn für nur 365 Euro…

Ein Meilenstein für Nürnberg, die Stadt würde damit Geschichte schreiben, so der Oberbürgermeister Marcus König (CSU) noch im Juni 2020. Auch der Koalitionspartner SPD schloss sich schnell der Forderung an, im Jahre 2023 dieses vergünstigte Jahresticket für den Raum Nürnberg einzuführen. In Wien funktioniert das doch auch! Doch was ist passiert? Wie kam es zur Meinungsänderung und zum Stopp des 365 Euro-Tickets im Juni 2022? Und darf die Stadtregierung einfach so ein Bürgerbegehren ablehnen? Warum ein mögliches Scheitern des Bürgerbegehrens eben doch ein Sieg für die direkte Demokratie sein kann.

Nach dem Verbundbericht 2019 des VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) nutzten rund 98 Millionen Menschen die Nürnberger U-Bahn im Jahre 2019. Foto: Thomas Geiger

Wir blicken zurück in den Herbst 2019, eine Bürgerinitiative angeführt von der Partei Die Linke mit Titus Schüller an der Spitze setzt sich für ein günstigeres Ticketsystem im öffentlichen Nahverkehr für Nürnberg ein. Schnell sammelt die Initiative den ganzen Winter über knapp 20.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren, mindestens 15.500 Unterschriften werden benötigt. Mit diesen Listen möchten die Initiatoren darauf aufmerksam machen, dass die Bürger:innen der Stadt sich solch ein Ticket wünschen. Außerdem fordert die Initiative noch ein Sozialticket für 15 Euro monatlich,

Direkt weiterlesen?
Erstelle Dir jetzt Deinen Zugang!

Hinter Relevanzreporter steht kein Medienkonzern oder Investor. Das gemeinnützige Magazin wird von, für und mit seinen Mitgliedern ermöglicht.

Wir sind unabhängig und werbefrei.

  • Lilien Wege geb. Zeljko
    Autor:in Chefredakteurin, Reporterin für Newsletter, Social Media und journalistische Veranstaltungen

Empfohlene Artikel aus dem Schwerpunkt:
Blick auf Nürnberg

  • 1
    Unterzeichnung des Kooperationsvertrages zwischen CSU und SPD in der Ehrenhalle des Nürnberger Stadtrates

    Zwischen Reformen und Sparzwang: CSU und SPD planen Nürnbergs Zukunft

    CSU und SPD wollen Nürnberg gleichzeitig reformieren, investieren und sparen. Der Kooperationsvertrag zeigt den Plan für diesen Spagat und macht deutlich, wie eng der Spielraum dafür ist. Eine kleine Einordnung von Lilien Wege.

    1. Mai 2026
  • 2

    Die vergessenen Vier: Was im Nürnberger Kommunalwahlkampf 2026 untergeht

    Themen wie die Urbane Gartenschau oder Videoüberwachung dominieren den Wahlkampf. Doch über welche Baustellen wird in der finalen Phase des Kampfs um die Stadtspitze gar nicht gesprochen? Und viel wichtiger: woran liegt das? Genau damit hat sich unser Reporter Marc Schmidt befasst und seine top vier Themen für euch zusammengestellt.

    25. Februar 2026
  • 3
    Im Afterwork sitzen Menschen am Tisch in gesellschaftlicher Runde. Ein Mann hebt den Arm, um eine Frage zu stellen.

    Auf ein Seidla mit den Kandidat:innen zur Kommunalwahl

    Wer wird Nürnbergs nächste:r Oberbürgermeister:in? Bei „Auf ein Seidla mit …“, der Relevanreporter-Runde zur Kommunalwahl 2026, triffst Du die Spitzenkandidat:innen von CSU, SPD und Grünen direkt am Tisch – locker, ehrlich, auf Augenhöhe. Stell Deine Fragen und diskutiere mit. Jetzt anmelden!

    5. Januar 2026

Die neuesten Artikel:

  • 1

    Musikförderung in Nürnberg: Wer hilft wie und was fehlt noch?

    Mit der MUZ und Pop Rot Weiss hat die Region Nürnberg zwei Förderinstitutionen, die bundesweit als Vorbild gelten. Ein Blick darauf, was sie leisten und was noch fehlt.

    12. Juni 2026
  • 2
    Reporterin Lea Maria Kiehlmeier und Sängerin Vronsy führen ihr Interview für den Podcast "Nürnberg morgen" im Hummelsteiner Park.

    Neue Podcast-Folge: Im Gespräch mit Vronsy über Nürnbergs Musikszene

    Vronsy hat fast alle Möglichkeiten genutzt, die Nürnberg Musiker:innen bietet. Ein Gespräch über die lokale Musikszene, Förderstrukturen, die viel leisten, aber nicht alles können, und was sich ändern müsste.

    12. Juni 2026
  • 3
    Ohm-Forscher Fabian Sturm mit VR-Brille in der Ohm Innovation Factory

    Warum die Zukunft der Nürnberger Wirtschaft in der Energiebranche liegen könnte

    Wegen der schwächelnden Automobilindustrie sucht die Bundesrepublik nach der nächsten großen Zukunftsindustrie. In Nürnberg zeigen die Energieregion, der Energiecampus und der Nkubator seit vielen Jahren, welche Rolle die Energiewirtschaft dabei spielen könnte. Julian Hörndlein hat sich hinter die Kulissen eines zukunftsträchtigen Innovationsökosystems begeben.

    12. Juni 2026

Schreibe einen Kommentar zu "365 Euro-Ticket: Warum ein Scheitern des Bürgerbegehrens trotzdem gut ist"

Zum Kommentieren musst du angemeldet sein.